f:% / y ZOOLOGISCHES ZENTRÄLBLÄTT UNTER MITWIRKUNG VON PROF. DR. O. BUTSCHLI ^nd P^^^. DR. B. HATSCHEK IN HEIDELBERG IN WIEN HERAUSGEGEBEN VON PROF. DR. A. SCHUBERG IN BERLIN — 6R0SS-LICHTERFELDE XIV. BAND 1907 LEIPZIG VERLAG VON WILHELM ENGELMANN 1907 Druck der Kgl. Universitätsdruckerei von H. Stürtz in Würzburg Inhalts -Verzeichnis. (Alle Zahlen beziehen sich auf die Nummern der Referate.) Geschichte, Biographie. Kobelt, W.. D. F. Heynemann f. — (H. Simroth) . 183 Lehr- und Handbücher, Sammelwerke. Krass, M., und H. Landois, Lehrbuch für den Unterricht in der Zoologie. — (H. Simroth) 19 Thome, 0. W., Lehrbuch der Zoologie für Gymnasien usw. — (H. Simroth) 20 Schimkewitsch, W., Die biologischen Grundzüge der Zoologie.— (N. von Adelung) 778 Wissenschaftl. Anstalten u. Unterricht. Brehm, V., Die biologische Süsswasser- station zu Lunz-Seehof, Niederöster- reich. — (F. Zsc h okk e) . . . .469 Rauber, A., Anatomisches Wäldchen. — (Th. Krumbach) 86 Rousseau, E., La Station biologique d'Overmeire. — (F. Zschokke) . 470 The history of the coilections contained in the Natural tlistory Departments of the British Museum — (E. Mar- tert) 690 Zelle und Gewebe. Levi, G., Studi suUa grandezza delle cellule. — (R. Goldschmidt) . . 307 Marshall, Wm. S., and C T. Vorhies, Cytological studies on the spinning- glands of Platt/phylaz designalus Walker (Phryganid). — (R. Gold- schmidt) 308 Prenant, A., P. Bouin, L. Maillard, Traite d'histologie. Tome L Cytologie generale et speciale. — (A. Schu- herg) 1 Schuberg, A., Über Zellverbindungen Vorl. ßer. II. — (A. Seh über g) . 600 Schuberg, A. , Über Zellverbindungen. — (A. Schuberg) 601 — Untersuchungen über Zellverbin- dungen. IL Teil. — (A. Schuberg) 602 Smirnow, A. E. v.. Über die Mitochon- drien und den Golgischen Bildungen analoge Strukturen in einigen Zellen von Hyacinthus orientalis. [R. Gold = Schmidt) 309 von Szily,Aurel, Histiogenetische Unter- suchungen. — (A. Schub er g) . . 536 Tello, Fr., Terminaciones sensitivas en los pelos y otros organos. — (E. Botezat) 603 Ei- und Samenzelle. Baehr, W. B. von, Über die Zahl der Richtungskörper in parthenogenetisch sich entwickelnden Eiern von Bacillus rossii. — (R. Goldschmidt) . . 316 Chiid, C. M., The development of germ- cellsfrom differentiated somatic cells in Moniezia. — (R. Goldschmidt) 313 Foot, K., and E. C. Strobell, The ac- I* I ? ^y — IV — cessory Chromosome of Anasa tristis. — (R.' Goldschmidt) . . . .321 Gregoire, V., et W. Deton, Contribution ä Tetude de la Spermatogenese dans r Ophrijotrocha puerilis. — (R. Gold- schmidt) 314 Grobben, K., Zur Keüntnis der Deca- podenspermien. — (R.G o 1 d s ch m i d t) 315 Gross, J., Die Spermatogenese von Piirrhocoris aj)terus L. — (R. G o 1 d - Schmidt) 322 Gutherz, L., Zur Kenntnis der Hetero- chromosomen. — (R.Gold seh mid t) 317 Heaneguy, L. F., Recherches sur le mode de formation de l'oeuf ectolecitbe du Distomum hepaticum. — (R. Gold- schmidt) 312 Keppen, N., De la Spermatogenese chez VAstacu!^ fliiviatilis. — (E. Schultz) 471 Mc Qill, C, The Behavior of the nu- cleoli during Oogenesis of the Dra- gonfly with especial reference to Sy- napsis. — (R. Goldschmidt) . . 320 Van Molle, J., La Spermiogenese dans l'ecureuil. — (R. Goldschmidt) . 330 Munson. J. P., Spermatogenesis of the butterfly l'aiiilio rutulus. — (R. G o 1 d - Schmidt) 324 Popoff, M., Eibildung bei Pahidina vivi- para und Chroraidien bei Paludina und Helix. — (R. Goldschmidt) 325 Rubaschkin, V. W., Über die Verände- rung der Eier in den zugrunde gehen- den Graafschen Follikeln. — (R. Goldschmidt) 327 Schäfer,F.. Spermatogenese von i)i/ a ■■ ^^ 1 11. Kl. Kundwurmer. ( III. Kl. Rädertiere, II. Gruppe: Würmer ohne Leibeshöhle ^^y j^, p|^ttwürmer. Zu den Ringelwürmern gehören die Blutegel und von diesen heisst es: „Ein Blutgefässsystem ist bei allen vorhanden, indessen in der Regel von der blutführenden Leibeshöhle nicht scharf gesondert." Wer ein Rotator unter dem Microscop gesehen hat, wird ihm jeden- falls eine bessere Leibeshöhle zusprechen , als den Blutegeln. Hier spielen die theoretischen Streitigkeiten über Cölom , primäre und sekundäre Leibeshöhle herein, die zur Zeit der Abfassung des Buches im Vordergrund standen. Ohne ihre Erwähnung hat die ganze Ein- teilung keinen Sinn; dem Schüler nützt sie gar nichts. Von den Sinnen der Anneliden wird in der allgemeinen Schilderung gesagt: „Als Gehörorgane finden sich bei einzelnen durchsichtige Bläschen, in denen zuweilen Gehörsteinchen auftreten. Wimperförmige Organe am Kopf werden als Geriichsorgane , becherförmige als Geschmacks- organe gedeutet." Hier merkt man, dass irgend einem grossen Über- sichtswerke möglichst viel entnommen ist, damit man nur den Vor- wurf der UnVollständigkeit vermeidet; und doch liesse sich über die Augen so viel sagen, und von den ganz nebensächlichen Ohrbläschen musste angegeben werden, dass sie Statocysten sind. Vom Regen- wurm heisst es nur, dass er keine Augen hat, aber nicht, dass er lichtempfindlich ist. Dagegen fehlt die Bemerkung nicht, dass manche Anneliden Schmarotzer sind, bei andern sich Commensalismus findet; wohl aber wird verschwiegen, dass manche das freie Meer bewohnen. Physikalisch-biologischen Schauder mag die Schilderung erwecken, wie der medizinische Blutegel Blut saugt. „Durch Andrücken des Saug- napfes an die Haut und spätere Erhebung wird ein luftleerer Raum gebildet, in welchen das Blut strömt, und von wo es durch den Schlundkopf in den Magen gleichsam gepumpt wird." So mochte man sich früher den Vorgang vorstellen, [Nebenbei hier ein prachtvoller „Duden" für die Pedanten: „Kokon". Ich denke: entweder Cocon — oder Kokong]. Ähnliches, wie von den Würmern, gilt von den Echinodermen. Kurz man merkt dem Autor an, dass er die Zoologie nicht genügend beherrscht, was von dem Herausgeber eines grossen Ptianzenwerkes auch gar nicht erwartet werden kann. Bei den Anstrengungen, die wir jetzt machen, um der Biologie auf den höhern Schulen zu einem an- gemessenen Platz zu verhelfen, sind wir auch verpflichtet, hohe An- forderungen an die Lehrbücher zu stellen. Wer eins schreiben will, - Nr. 20. — — 41 — muss Selbständigkeit und Initiative genug besitzen, um zu entscheiden, was von dem unendlichen Material wegbleiben kann, um aber den Rest abgerundet und individuell zu gestalten. Über einzelne Fragen, wieviel von manchen Dingen in die Biologie, in die Physik oder Chemie zu verlegen sei, wird ausserdem noch zu bestimmen sein. Vor- läufig geht noch jeder Autor seinen eignen Weg, unbekümmert um den Kollegen. Auf der einen Seite zu starke Betonung des Fach- lehrersystems, das leicht zu Überbürdung führt, auf der andern ein- fach Übertragung des naturwissenschaftlichen Unterrichts an den Vertreter irgend einer andern Disziplin, und wäre es der Religions- lehrer. Hier ist noch viel zu tun, bis die richtigen Leute überall an der richtigen Stelle stehen. H. Simroth (Leipzig-Gautzsch). Entwicklung. Regeneration. 21 Godlewski, E. jiiu., Untersuchungen über die Bastardierung der Echinoiden- und Crinoidenfamilie. In: Arch. Entw. Mech. XX. 1906. S. 579—643 mit Taf. XXII und XXIII und 7 Textfig. Angeregt durch die bekannten Versuche J. Loebs über Bastar- dierung zwischen Ästenden und Echiniden suchte Godlewski „be- sonders bezüglich der Vererbungsfrage weitere Stadien dieser hetero- genen Entwicklung zu erhalten und diese sodann und die ganze Entwicklung genau cyto- und histologisch zu untersuchen." Das gleiche Material wie Loeb zu benützen, gelang ihm nicht, trotz genauer Befolgung der Loeb sehen Methode. Damit soll nach Verf. keinerlei Einwand gegen die von Loeb festgestellten Tatsachen aus- gesprochen werden, sondern es hängen die Resultate solcher Ex- perimente sehr von der Individualität des Materials ab. Auch Be- fruchtung von Echiniden mit Sperma von Ophiuroiden oder Holothurien gelang nicht; dagegen glückte es, mit dem Sperma eines Crinoiden {Äntedon rosacea) , der in Neapel leicht erhältlich ist , die Entwick- lung der Eier dreier ebenfalls leicht zugänglicher Echinidenarten [Spliaerecliinus gramdaris, Strongylocentrotus liviäns, Ecliinus micro- tuherculatus) einzuleiten. Unter möglichster Sicherung gegen das Eindringen eigener Spermatozoen wurden die Eier in das mit Sperma und NaOH von verschiedener Concentration versetzte Wasser hinein- gebracht; nach 5 — 6 Stunden dieses Wasser abgegossen und durch gewöhnliches, aber steriles Seewasser ersetzt. Die Entwicklung ge- lang in allen drei Kombinationen, führte aber gewöhnlich nicht sehr A'iltGClofl O weit; bei 77-^ ^. -:- nie über Mesenchymbildung und Gastrula- bpliaerechimis 9 — Nr. 20-21. — — 42 — -. - . , . Antedon cf , Antedon rf , Stadium hinaus; bei -^, -^ ; — und t-, , . ~- ffelaneten btrongyiocentrotHS 9 iLcIvmus ¥ auch nochPlutei zur Beobachtung, allerdings in einem zur Quantität des Ausgangsmaterials sehr geringen Verhältnis. Die physiologischen Bedingungen, welche den Prozentsatz der heterogen befruchteten Eier beeinflussen, sind ein besonderes Kapitel, das wohl mehr den Nachuntersucher und Experimentator angeht, und darum hier nur kurz — möglichst mit des Verfs. eigenen Worten — zusammengefasst werden soll. Der Prozentsatz der heterogen befruchteten Eier ist abhängig a) von der individuellen Beschaffenheit der beiden Elternindividuen ; b) von der Quantität der zum Experiment gebrauchten Geschlechtsprodukte und c) von der Höhe der Concen- tration der Hydroxyl-Ionen des umgebenden Mediums. Die Con- centration, die für das Zustandekommen der heterogenen Befruchtung überhaupt erforderlich ist, kann nur innerhalb enger Grenzen schwanken, ist aber für verschiedene Eier und Spermatozoen verschieden. Ein Optimum des Prozentsatzes heterogen befruchteter Eier kann durch successive Erhöhung der OH- Ionen -Concentration und durch Er- leichtern des Kontakts mit möglichst vielen und immer neuen Sper- matozoen der fremden Familie erreicht werden. Die Bedingungen, welche die heterogene Bastardierung ermöglichen, schliessen die Mög- lichkeit der Reinkultur (Befruchtung mit Sperma der gleichen Species) nicht aus. Im zweiten Hauptteil seiner Arbeit, dem morphologischen, sucht Verf. zunächst den Nachweis zu erbringen, dass es sich um eine wirkliche Befruchtung gehandelt habe. Die Entwicklung der Bastarde verläuft, wie vorwegzunehmen ist, durchaus nach dem mütter- lichen Typus. Es geht dies schon daraus hervor, dass, wenn es zur Bildung einer Larve kommt, diese ein Pluteus ist, also eine durchaus für die Echiniden charakteristische Form, während die Larve der Crinoiden einen ganz andern Typus, die sogenannte Tönn- chenform, zeigt. Aber auch die Jüngern, weniger charakteristischen Stadien zeigen laut Verf. durch die Darmwendung nach der Vorder- wand der Larve, durch die primäre, vor der Gastrulation erfolgende Mesenchymbildung, ganz die Merkmale der mütterlichen Echiniden. Es lag darum der Verdacht nahe, ob wir es nicht mit einer durch die alkalische Flüssigkeit hervorgerufenen Parthenogenese zu tun haben. Diese Eventualität ist nach Verf. durch die immer gleichzeitig geführten Kontrollversuche [also wohl dadurch, dass die alkalisch, jedoch ohne fremden Spermazusatz behandelten Eier sich nicht furchten, was Verf. jedoch nicht ausdrücklich ausspricht, Ref.] aus- geschlossen. ,,Es könnte jedoch", wie Godlewski selbst einwirft, — Nr. 21. - — 43 — „möglich sein, dass doch eine Art Parthenogenese dadurch hervor- gerufen werden könnte, dass das Spermatozoon der fremden FamiHe zwar in das Ei hineindringt, die Anregung zur Entwickhing gibt, sich aber an den morphologischen Vorgängen nicht beteiligt." Diese Möglichkeit ist nach den in der Literatur bekannten Fällen a priori nicht auszuschliessen ; Verf. sucht sie aber ausser Frage zu stellen, durch den histo- resp. cytologischen Nachweis der Bestandteile des Spermakerns im befruchteten Ei resp. im ersten Furchungskern. Wie bei der gleichartigen Kultur, so wird auch bei der heterogenen Be- fruchtung unmittelbar nach dem Eindringen des Spermatozoons eine Dottermembran gebildet. An Schnitten sieht man, dass der Sperma- kopf samt Centriol eine Drehung durchgemacht hat, so dass das letztere dem Spermakopf bei der Wanderung durch das Ooplasma vorangeht; vom Centriol geht eine achromatische Strahlung aus, wie bei der normalen Kultur, Eikern und Spermakern legen sich so nahe aneinander, bis sie zusammen eine Kugel bilden. Nachher ver- schwindet der den Spermakern kennzeichnende Umriss und es kommt zur Bildung eines einheitlichen Furchungskerns. Später auftretende „gröbere Chromatinbrocken , deren Herkunft aus dem Äntedon-liern keinem Zweifel unterliegen kann", sind laut Verf. nicht als anormale Abortiverscheinungen zu deuten, da auch bei der reinen Kultur solche Chromatinbrocken als Überreste des Spermakopfes von verschiedenen Autoren beschrieben werden. Mit Rücksicht auf die Befunde von Bücker t und Hacker über das Getrenntbleiben der beiden Pronuclei auch während der weitern Entwicklung, sollte nach Verf. a priori postuliert werden, dass bei einer solch heterogenen Kreuzung dies Getrenntbleiben um so deut- licher hervortreten wird. Da jedoch die Kerne hier verschmelzen, so schliesst Verf. , dass das Getrenntbleiben und die besonders von Hacker daraus gezogenen Folgerungen nicht ohne weiteres eine Ver- allgemeinerung gestatten. [Vielleicht wäre auch der Schluss erlaubt, dass der Mangel der Trennung von väterlichem und mütterlichem Chromatin hier ein abnormes Anzeichen darstellt.] Um zu beweisen, dass die Antedon-Chromosoman nicht nach der Verschmelzung doch noch zugrunde gehen, hat sich Verf. bemüht, sie noch in den spätem Mitosen von den Echinus- resp. Sphaerecliinus-Gh.Toxao'&om.Qn zu unter- scheiden; doch ist dies nicht möglich. Die Beweisführung durch Zählung der Chromosomen ist eine heikle Sache, da die Angaben, welche sich auf die Zahl der normalen Chromosomen bei Echinus microhiherculatus beziehen, nicht übereinstimmen. Verf. hebt das selbst hervor, glaubt aber doch aus der Zahl von über 20 Chromo- somen in den Tochterplatten .,schliessen zu können, dass die von dem — Nr. 21. — — 44 — Äntedon-S])erm.akern eingeführten Chromosome in die erste Mitose mit eingetreten sind" und sich weiter an der Bildung der embryo- nalen Kerne beteiligen. Dem Einwand, dass noch vielleicht in spätem Stadien eine Degeneration der männlichen Chromosomen eintritt, ist auch durch Zählung nicht mehr zu begegnen, da die Zahlbestimmung auf vor- geschrittenen Stadien unmöglich ist. Dagegen sieht Verf. in der Kerngrösse, sowohl bei den Gastrulae als bei den Larven der Bastard- kultur eine Stütze dafür, dass das ^w/ef/ow-Chromatin an der Bildung der embryonalen Kerne teilnimmt. Die Kerne der Bastarde halten nämlich an Grösse (Oberfläche) etwa die Mitte zwischen den kleinen Kernen der reinen Echinus- und den sehr grossen der reinen Antedon- Kultur. Da nun laut Boveri die Oberflächen der Kerne ihrer Chromosomenzahl und damit der in ihnen enthaltenen Chromatin- menge direkt proportional sind, so muss laut Verf. das von Antedon eingeführte Chromatin noch vorhanden sein. [Die Bastardlarven haben übrigens nach dem Verf. nicht nur grössere, sondern auch minder zahlreichere Kerne als die der reinen Kultur.] Die P^ntwicklung geht nicht nur in allen morphologischen Charak- teren nach rein mütterlichem Typus vor sich (Skeletanlage in Drei- strahlerform, keine Spur der durchbrochenen Kalkplatten bei Crinoiden, eher Abschwächung als Verstärkung des Skelets, verschiedene Un- regelmäßigkeiten in der Furchung, die der parthenogenetischen Ent- wicklung eigen sind, fallen weg), sondern es richtet sich auch die Geschwindigkeit und der Rhythmus der Entwicklung ganz nach dem mütterlichen Organismus, bis die Bastarde an eine bestimmte Grenze der Entwicklungsfähigkeit gelangt sind. Damit ist aber nicht gesagt, dass sie auch ihre Lebensfähigkeit einbüssen, im Gegenteil leben sie noch längere Zeit weiter, ohne bestimmte Organanlagen zu entwickeln, sei es, dass es ihnen an den Mitteln zur Bildung dieser Organe fehlt, oder „dass durch die Spermatozoen der fremden Familie bestimmte, die Entwicklung gewisser Organe, z. B. des Skelets, hemmende Faktoren hineingebracht wurden." Die Ergebnisse der heterogenen Bastardierung, wo es sich um Familiencharaktere handelt, schon jetzt auf die Mendel sehen Hegeln zurückführen zu wollen, erscheint dem Verf. mindestens verfrüht. Über den Anteil des Plasmas als Vererbungsträger gegen die „Monopole- Stellung des Chromatins äussert sich Verf. in einigen allgemeinen Bemerkungen am Schluss in vorsichtiger Weise. Besonders zu diesem Zweck angestellte Versuche der Befruchtung kernloser Eifragmente von Echinus mit Antedon-'&l^eYmsi sind bei der grossen Schwierigkeit der Technik und der enormen Sterblichkeit der Bastarde für die — Nr. 21. — — 45 — Auslegung nicht gerade günstig. Die meisten Objekte starben während der Furchung, Blastulabildung und Mesenchymbildung ; nur acht Ob- jekte haben das Blastulastadiura mit Mesenchym erreicht, nur vier, trotzdem die Experimente mehrere Wochen lang geführt wurden, die Gastrula; keines ist bis zur Skeletanlage oder gar zum Larven- stadium gelangt. Trotzdem ist das, was diese Bastarde, solange sie überhaupt am Leben bleiben, zeigen, als rein mütterlich zu betrachten. Damit will Verf. „keineswegs die Rolle des Kerns bei den Vererbungs- erscheinungen in Abrede stellen" , nur aber betonen , dass man dem Protoplasma, nach dem heutigen Stand der morphologischen und ex- perimentellen Literatur, doch nicht jeden Anteil an der Übertragung der elterlichen Arteigenschaften absprechen darf. 0. Maas (München). 22 King-, H. D., The Effects of Compression on the Matura- tionand early DevelopmentoftheEggsof Asterias forhesii In: Arch. Entw.-Mech. Bd. XXL 1906. S. 94—110. PI. I u. IL Die Ausgangsidee derKingschen Versuche war, eine Anregung des Eies zur parthenogenetischen Entwicklung zu geben, dadurch, dass ein Richtungskörper, ev. alle zwei im Ei zurückbehalten würden; dies sollte durch Druck bewerkstelligt werden. Eine Anzahl Eier von Asterias wurden auf Objektträger verteilt, mit grossen Deckgläsern bedeckt, die auf den Seiten und in der Mitte durch Papierstreifen gestützt waren, dann wurde durch Absaugen mit Filtrierpapier der Druck hergestellt. Die eine Portion blieb verschieden lang unter Pres- sung zur eventuellen Einleitung einer Parthenogenese, die andere Por- tion blieb solange unter Druck, bis normalerweise die Richtungskörper ausgestossen worden wären und wurde dann befruchtet, die dritte Portion wurde gleich unter Druck befruchtet und zeigte grosse Sterb- lichkeit. Die Resultate lassen sich laut Verf. kurz zusammenstellen. Druckwirkung auf die Eier von A. forhesii vor der Auflösung des Keim- bläschens verhindert tatsächlich die Ausstossung beider Richtungskörper, eines wird gelegentlich ausgestossen, jedoch niemals zwei. Dennoch führt die Zurückbehaltung des Chromatins, das normalerweise ausgestossen worden wäre, nicht zur parthenogenetischen Entwicklung. Poly- spermie ist bei solchen Eiern, die dem Druck unterworfen waren, sehr häufig (es wurden bis 18 Spermatozoen gezählt). Mehrere Sperma- tozoen können mit dem Eikern verschmelzen und Triaster, Tetraster oder noch unregelmäßigere Formen der Teilungsfigur hervorbringen. Manchmal furchen sich komprimierte befruchtete Eier in anscheinend normaler Weise bis zum Blastulastadium; gelangen aber dann nicht weiter. Gewöhnlich ist bei der ersten Teilung schon eine ünregel- — Nr. 21—22. — - 46 — mäßigkeit sichtbar; die Eier teilen sich simultan in 3, 4 oder mehr Zellen. Stets ist die Furchung zeitlich stark verzögert. Die Ab- normitäten, die durch Druckwirkung entstehen, beruhen zum einen Teil im Plasma (Formänderung des Eies), zum andern Teil im Kern (übermäßiger Chromatingehalt). Schliesslich berichtet Verf. noch über die Wirkung des Sauerstoffmangels, weil man zunächst daran denken könnte, dass die pathologischen Erscheinungen bei Druck auch dadurch mit veranlasst seien. Doch ergab sich im sauerstoffarmen Wasser eine normale Reifung, und nach erfolgter Befruchtung eine normale Entwicklung, nur in sehr verlangsamtem Tempo. 0. Maas (München). 23 Herbst, C, Vererbung Studien I — III. In: Arch. Entw.-Mech. Bd. XXI. 1906. S. 173—305 24. Fig. Nachdem Herbst in einer kurzen Einleitung Ziele und Methoden seiner „rationellen Studien über Vererbungserscheinungen" auseinander- gesetzt hat, gibt er eine ausführliche Darstellung einer sehr ausgedehnten und sorgfältigen Versuchsreihe betreffs der Wirkung der Temperatur auf Seeigelbastarde. Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Vernon sehe Beobach- , ^ 1,1 Stronqylocentrotus cf tuns, dass Sommerbastarde von — ct^^ r-- ps — mehr zum bpiiaereclimus V mütterlichen Typus neigen als die winterlichen, wofür Vernon die Ursache in einem Minimum der Reife von Str. im Sommer er- blickt. Herbst übt Kritik an dieser Ansicht und sucht den Ein- fluss der Temperatur festzustellen und zwar den direkten , nicht den indirekten, der in der Nahrung, dem Reservestoffgehalt des Eies oder in einem Schwanken des Stoffwechsels liegen könne. Bei der Unterscheidung charakteristischer Merkmale der Bastarde will sich Herbst auf das Skelet beschränken, weil hier von allen Forschern , . , ^r , • , • Stronqylocentrotus cf , Echinus cT bei den Kombmationen — „ , r^ -^ — und 77-^ r-: ^ bphaerechinns v bphaereclitnus V ein Einfluss des Spermatozoons zugegeben ist, während ein solches für die vorhergehen Entwicklungsprozesse noch strittig ist. Von grosser praktischer Wichtigkeit für den Nachuntersucher sind Herbsts technische Vorbemerkungen. Es können drei Mittel angewandt werden zur Erhöhung der Zahl befruchteter Eier in Bastard- kulturen: Laugenzusatz (NaOH), Einfluss der Wärme (bei 24*^ etwa) [beide Mittel wirken im allgemeinen gut, aber für Eier von ver- schiedener Herkunft verschieden; der Umschlag vom Optimum der Wirkung zum Schlechten geschieht sehr schnell, und die Resultate werden darum verschieden], ferner Süsswasserzusatz , das auf die — Nr. 22—23. — — 47 — Eier, etwa eine Minute vor Befruchtung angewandt wird. Durch letzteres Mittel kann unter Umständen eine künstliche Dottermembran hervorgerufen werden. Diese ist also kein sicheres Kriterium einer Be- fruchtung; auch heben befruchtete Eier manchmal die Dottermembran nicht ab, so dass vor Täuschung auf zweierlei Weise zu warnen ist. Herbst hat sowohl die Kombinationen ft^'—tt als -^^^- — pr in Sph. 9 Sph. 9 bezug auf alle Skeletmerkmale, die Gitterbildung der Armstäbe, die Zahl der Wurzeln der Analarmstützen, die Verzweigung der Enden, und auch auf die Körperi^roportionen untersucht und die Ergebnisse in zahlreichen Tabellen übersichtlich sowie bildlich in Textfiguren dar- gestellt. Als kurzes Resultat all dieser Einzeluntersuchungen ist her- vorzuheben, dass in der Wärme (24 — 27°) bei den erwähnten Merk- malen eine de utliche Hinneigung zur verstärkten Ausprä- gung m ü t te r 1 i c h e r C h ar a k t e r e erkennbar ist. Wie dies zu deuten ist, darüber geben Experimente Hinweise, die den Einfluss der Tempe- ratur auf das Skelet der Eltern dartun. Bei Strongylocentrotus ^kön- nen (Reinkultur) durch die Wärme die Wurzeln der Analarra stützen vermehrt, die Gitterbildungen begünstigt werden; die Körperpropor- tionen werden nicht verändert. Bei Ecliimis -^ werden in der Wärme die Wurzeln der Analarmstützen unzweideutig vermehrt, die Gitter- bildungen unleugbar begünstigt; bei Sphaerechinus ^ wird die ohne- hin schon vorhandene Gitterbildung der Armstäbe in der Wärme noch gesteigert, ebenso die ohnehin schon grössere Zahl der Analarmwur- zeln; auch werden die Körperproportionen noch weiter verändert in dem Sinn, in welchem sich der ^S/j/z.-Pluteus schon ohnehin von den andern Formen unterscheidet. Nach Herbst sind wir sonach berechtigt zu behaupten, dass die Plutei der Kombinationen ^^ — ;=- und >, , " rv in der Wärme S23h. V jSpfi. V wegen der erwähnten Gitterbildung, mehr der Mutter ähneln als in der Kälte, wir dürfen aber nicht sagen, dass das Eigenschaftsge- misch .... nach der mütterlichen Seite verschoben wird," weil auch bei den reinen /Sjp/i.-Kulturen die Querverbindungen in der Wärme zunehmen und so ein grösserer Mittelwert für die Bastarde zustande kommen würde. Für die andern Merkmale, die Vermehrung der Wurzeln der Analarmstützen und die Körperproportionen, besteht bei Str d' der Kombination -^-^ — ^ noch ein gewisses Recht, die Wärmeplutei für — Nr. 23. — — 48 — mutterälmlicher als die Kältelarven zu erklären"; für die Kombination -q-T—~Q darf dies nicht behauptet werden. In der Hauptsache Averden also laut Herbst die Vernon sehen Resultate durch die Unterschiede der Temperatur erklärt, jedoch nicht restlos: es verbleibt ein Schwanken der Bastardformen mit der Jahres- zeit, unabhängig vom direkten Einfluss der Temperatur; der Grund hierfür muss in den Eiern liegen, die grössere oder geringere „Reife" der Samenfäden spielt hierbei keine Rolle. In seinen theoretischen Schlussfolgerungen wendet sich Herbst gegen „die Auffassung der Lebewesen als Aggregate von Anlagesub- stanzen". Wäre diese Auffassung richtig, so hätten wir es bei Kreu- zung von Tieren, von denen wir genau wissen, welchen Grad eines einwirkenden Agens sie aushalten und welchen nicht, in der Hand, „durch Steigerung der Höhe des einwirkenden Agens über das Maximum des einen der beiden Eltern hinaus die Entfaltung der Anlagen des letztern zu unterdrücken und nur die Charaktere des andern ent- stehen zu lassen." Darnach wären die Schwankungen mit der Jahres- zeit so zu erklären, dass Sphaerechinus grössere Wärmegrade aushielte als Strongylocentrotus] jedoch ist gerade das Umgekehrte der Fall. Die Bastarde werden bei höherer Temperatur als Ganzes geschä- digt, und nie gelang es, die Anlagen des einen der beiden Eltern ganz zu unterdrücken. SpliaerecMnus\\Q\mQ halten auch ein Kalium- freies Meerwasser besser aus als solche von Echinus; dennoch gelingt keine Unterdrückung der Eigenschaften; ebensowenig bei Säure- oder Alkalischädigung. Es muss also die Yorausetzung, nämlich die Auffassung der Organismen als Anlageaggregate, falsch sein. Die Ex- perimente haben gezeigt, dass die Nachkommen neue Ganze bilden, die zwar in ihren Merkmalen durch äussere Einflüsse abgeändert, aber nie in ihre Bestandteile zerteilt werden können. Laut der Herbst- schen Auffassung, die 1. c. S. 290 genauer nachzulesen ist, wäre als Grundlage eines jeden Lebewesens eine bestimmte chemische Verbin- dung anzunehmen, in der sämtliche Merkmale des künftigen Lebe- wesens gegeben sind, aber nicht als extensive, sondern als inten- sive Mannigfaltigkeiten (nach Driesch scher Ausdrucksweise). Die Mendel sehe Spaltungsregel lässt sich nach Herbst mindestens eben- sogut, wenn nicht sogar viel besser durch diese Annahme einer be- sonderen chemischn Verbindung erkläreen als wie durch die „Aggre- gationstheorien" . Eine dritte Studie ist der schon oben berührten Frage gewidmet, ob die Schädigung eines der beiden Sexualprodukte von Einfluss ist auf das Hervortreten der väterlichen oder mütterlichen Charaktere. — Nr. 23. — — 49 — Es wurde eine Schädigung der Spermatozoen durch Süsswasser, Natron- lauge, K-freies Wasser, der Eier durch Süsswasser und Mg-freies Meerwasser versucht. Alle Versuche sind negativ ausgefallen. „Die Schädigung der Keimzellen kann zwar die Entstehung kränklicher Nachkommen zur Folge haben, aber die grössere oder geringere Ähn- lichkeit mit einem der beiden Eltern wird dadurch nicht bestimmt ^'\ solange die Samenfäden überhaupt befruchten, besitzen sie auch die Fähigkeit Eigenschaften zu übertragen, mögen sie auch sonst in ihren Lebensäusserungen geschädigt sein. Am Schluss gedenkt Herbst einer ihm erst nachträglich zuge- kommenen Arbeit von Doncaster (Phil. Trans. Roy. Soc. London. Ser. B. Vol. 196. 1903), die verschiedene Berührungspunkte mit der seinigen bietet. Doncaster hat eine Erhöhung der Bastardierungs- möglichkeit mit Verdünnung des Meerwassers erzielt; Doncaster glaubt ferner ebenfalls nicht, dass eine Schädigung der Vitalität der Sexualzellen sich in einer Verringerung der übertragenen Charaktere äussere. Doncaster lässt das Schwanken der Bastardform mit der Jahreszeit „hauptsächlich, wenn nicht ausschliesslich'^ von der Tempe- ratur bedingt sein, während nach Herbst noch einem andern unbe- kannten Faktor eine wichtige Rolle zukommt. 0. Maas (München). 24 Marcus, H., Über die Wirkung der Temperatur auf die Furchungbei Seeigeleiern. In: Arch. Entw.-Mech. Bd. XXH. 1906. S. 445—460. 5 Fig. Die Marcusschen Experimente sind auf Anregung R. Hertwigs angestellt und bilden einen Beitrag zur Lehre von der Kernplasma- relation. Das Material stammte von Exemplaren von Strongylo- centrotns liuidits, die zu Kurszwecken von Rovigno nach München ge- schickt worden waren. Die mit Samen eines Tieres befruchteten Eier wurden in drei Portionen geteilt und in Kälte (9 °), in Zimmer- temperatur (17 — 19°) und im Brutschrank (22°) kultiviert. Im ganzen sind sieben derartige Versuchsreihen angestellt worden. Die Unterschiede sind auffällig gross; nur heisst es geeignete Vergleichsobjekte finden. Hierzu darf selbstverständlich die Zeit nach der Befruchtung nicht herangezogen werden, ebensowenig eine erreichte Zellenzahl oder -Grösse, sondern bestimmte Entwick- lungsstadien, so die Blastula mit beginnender Mesenchymbildung, der Beginn der Gastrulation, das Auftreten der Enterohydrocoeltaschen. Zum Vergleich der Zellzahl wurden die Kerne im grössten optischen Durchschnitt gezählt ; es ergab sich daselbst für die Blastulawand bei beginnender Mesenchymbildung im Mittel für die Wärmekultur 72, — Nr. 23—24. — - 50 — für die Zimmerkultur 57 Vs, für die Kältekultur 46 V^. Da die Grösse der Blastula und auch der Blastulaliöhle in der Wärme wie in der Kälte gleich ist, so folgt daraus unmittelbar, dass die Zellengrösse umgekehrt proportional der Zellenzahl ist. Die Kälteblastulae waren 47^/2 Stunden alt, die Wärmeblastulae 22. Es hat also die Kälte- kultur über zweimal soviel Zeit gebraucht wie die Wärmekultur, um das gleiche Stadium zu erreichen. Entsprechendes ergibt sich auch für spätere Stadien. Besonders interessant sind natürlich die Ex- perimente für die viel diskutierte Frage nach der Zahl der Mesen- chymzellen. Auch hier ist die Zellgrösse, wie durch Abbildung er- läutert wird, umgekehrt proportional der Zellzahl. Es geht daraus hervor, dass bei Angaben über die Mesenchymzellenzahl die Tem- peratur ein nicht zu vernachlässigender Faktor ist (siehe die speziellen Untersuchungen von K. Peter, Z. Z.-Bl. Bd. 13 No. 606—608). Zu- sammenfassend lässt sich sagen: „Die Seeigeleier entwickeln sich bei verschiedener Temperatur harmonisch, wobei die Zellzahl im umge- kehrten Verhältnis zur Zellgrösse steht. Da in der Kälte die weniger zahlreichen Zellen mehr Zeit zur Bildung eines bestimmten Stadiums benötigen, so ist das Verhältnis der Häufigkeit der Zellteilung durch das Produkt von zwei Quotienten auszudrücken." Es wurde danach die Kerngrösse untersucht, die bei den Tieren der Kälte durch ihre grössern Zellen selbstverständlich beträchtlicher ist; aber auch relativ, zum Plasma, wie weitere Schätzungen dieser Kernplasmarelation zeigen. Die Gesamtzahl der Zellen wird in Wärme, Zimmer und Kälte auf 1650, 1045, 680 berechnet, danach die umgekehrt proportionale Zellgrösse auf 1 : l'/2 : 2V2. Die Kern- volumina verhalten sich dagegen wie 47,7 : 109 : 158,59, also etwa 1 : 2V4 : 3^/3. Es existiert sonach eine merkliche Beeinflussung der Kernplasmarelation durch die Kälte zu Ungunsten des Plasmas. Gegenüber dem etwaigen Einwand, dass die Fehlerquellen bei den Berechnungen zu gross seien, bemerkt Verf., dass letztere nichts lehren, als was der Augenschein deutlich zeigt (siehe Fig. 4). Für den Zeitpunkt der Kälteeinwirkung Hess sich nichts Be- sonderes nachweisen; dagegen ergab ein Versuch mit überreifen Eiern das überraschende Resultat, dass gerade die Wärmekultur, in der sonst die meisten Tiere frühzeitig sterben, hier ein ausgezeichnetes Aufzuchtverhältnis lieferte. Da nach R. Hertwig die Überreife die Kernplasmarelation ebenfalls zu Ungunsten des Plasmas verschiebt, die Wärme das Gegenteil bewirkt, so schliesst Verf., dass die Über- reife hier durch die Wärme kompensiert worden ist, um so mehr als die Kältekultur ein besonders ungünstiges Resultat geliefert hat (durch Cumuherung der beiden ungünstigen Verschiebungen). — Nr. 24. — ~ 51 — Nach den weitern Ausführungen des Verfs. im Anschluss an R. Hertwig kann weder die Zellzabl noch die Zellgrösse an sich ein Faktor für die Beendigung morphogener Elementarprozesse z. B. der Furchung sein, sondern die Kernplasmarelation. Die Experimente zeigen , dass Entwicklungshemmungen eintreten , wenn die Kern- plasmaspannung künstlich durch Kälte und Überreife vermindert wurde. Verf. führt noch aus, dass man anstatt von einer Kernplasmarelation von einer „Chromosoraen-Plasmarelation" reden könnte. ,,Es wäre die Masse des Protoplasmas beeinflussend für die Grösse der Chromo- some, da der Kern solange wächst, bis die normale Kernplasma- relation hergestellt ist; wir dürfen also die Vorgänge in der Zelle uns nicht einseitig durch den Kern bestimmt vorstellen." Diese innige Beziehung von Plasma und Chromosomen ist, wie Verf. hervorhebt, von Bedeutung für die Anschauungen der Individualitäts- und Ver- erbungslehre. 0. Maas (München). 25 Herbst, C, Vererbungsstudien IV. Das Beherrschen des Hervortretens der mütterlichen Charaktere (Com- bination von Parthenogenese und Befruchtung). In: Arch. Entw.-Mech. Bd. XXII. 1907. S. 473—497. Taf. XIV. Der Ausgangsgedanke zur vorliegenden Studie Her bsts bestand darin, zu Bastardierungsversuchen Eier zu benützen, die bereits einen geringfügigen Ansatz zur parthenogenetischen Entwicklung gemacht haben. Zu letzterm Zweck diente mit einiger Modifikation die Methode L o e b s , die Behandlung der Eier mit Fettsäuren. Es zeigte sich, dass in vielen Fällen trotz der eingeleiteten Parthenogenese es nicht zur Bildung einer Dotterhaut kam, was für die später vor- zunehmende Befruchtung sehr günstig erscheint; überhaupt erhöht, was ebenfalls für den vorliegenden Zweck sehr angenehm ist, die Vorbehandlung mit einer Fettsäure (Essig-, Butter- und Valeriansäure) die Befruchtungsmöglichkeit durch fremdes Sperma. Es wurde die ,. ,. ,. Stroncnilocentrotns cT ,, ,, . ... Kombination ^n — ^^ ^ angewandt, sowohl in gewohn- bphaerechimis 9 <=> ' lieber Bastardierung als mit Vorbehandlung, stets eine partheno- genetische, aber unbefruchtete Kontrollkultur mit Vorbehandlung da- neben geführt, und selbstverständlich eine unbefruchtete, nicht vor- behandelte zur Kontrolle für die Reinheit des ganzen Materials. Es ist nun zu bemerken und wird von Herbst selbst hervorgehoben, dass auch in einigen der parthenogenetischen Kulturen Pluteusstadien vorkommen ; diese standen aber nicht entfernt im Verhältnis zu der Unmenge der Plutei in den besamten Kulturen, so dass von letztern Pluteis höchstens eine kleine Zahl laut Herbst rein parthenogene- — Nr, 24-25. - - 52 — tischen Ursprungs sind, die übrigen trotz der — Avie vorweggenommen sei — stark mütterlichen Charaktere dennoch ein richtig befruchtetes Ei zum Ausgang haben müssen. Die gewöhnliciien Bastarde zeigten in der äussern Form und auch am Skelet den männHchen Vererbungsanteil sehr deutlich. Ganz anders die Bastarde der vorbehandelten Kulturen. Da traten die väterlichen Charaktere viel mehr zurück und die mütterlichen sehr viel mehr hervor ; manchmal gab es richtige dreikantige Spliaer- ecAmw^- Gitterstäbe. Besonders eine Kultur zeigte dies und sogar eine Anzahl reiner Sphaerechinns -V\uiQ\\ darin war bei der Be- fruchtung nach der Vorbehandlung der Kerne der Eier von mehr als normaler Grösse gewesen. Das Verschieben der Vererbungsrichtung wird durch eine Anzahl statistischer Tabellen über die benutzten Merkmale und besonders durch die instruktive Tafel erläutert, die von einem normalen „, ' ^ ^ bis zu einem parthenogenetischen ' ', ' ' - Str. V ^ ° Sph. V Pluteus eine Reihe Übergangsformen zeigt, zunächst die gewöhnlichen Bastardformen, dann die der vorbehandelten Eier, die sich mehr und mehr der reinen Äp/i.-Kultur nähern. Durch weitere Versuche sucht Herbst noch eindringlicher den Beweis zu führen, dass auch in die vorbehandelten Eier, die solche Annäherung an den mütterlichen Typus liefern, Samenfäden ein- gedrungen sind, a) durch den quantitativen Vergleich der Pluteus- anzahl in den parthenogenetischen Kulturen; zwar schwankt die- selbe in weiten Grenzen und hat sogar einmal etwa 200 (!) betragen , dabei war aber die Zahl der Plutei in der besamten Kultur so gross, dass sie gar nicht festgestellt werden konnte, b) Zeigt sich der Be- weis für die Befruchtung darin, dass noch in der Mehrzahl der Fälle ein Bestand männlicher Merkmale trotz aller Verschiebung nach der weiblichen Seite zu erkennen ist. Es unterscheidet sich also diese Be- fruchtung von der gewöhnlichen nur durch die Intensität des Faktors, von dem die Übertragung der väterlichen Eigenschaften abhängig ist. c) Ein dritter Beweis wird nach Herbst dadurch geliefert, dass vor- behandelte Eier, die einen parthenogenetischen Ansatz gemacht hatten, dann aber stehen geblieben waren, durch nachträgliche Besamung (23 h) doch noch zur Weiterentwicklung bis zur Blastula wenigstens gelangen konnten, d) Der vierte Beweis wird durch die microscopische Untersuchung der Eier auf Schnittpräparaten geliefert. Es hat sich dabei gezeigt, dass ,, selbst dann, wenn bereits die erste Furchungs- spindel mit den Chromosomen in der Äquatorialebene angelegt worden ist, doch noch das Eindringen von Spermatozoen in die Eier möglich ist". (Für den weitern Anteil der cT Chromosomen in der — Nr. 25. — — 53 — spätem Entwicklung gelten wohl dieselben Bemerkungen wie für die Versuche G dl ewskis [s. o.J. Im übrigen braucht wohl nicht erst vom Ref. hervorgehoben zu werden, welch bedeutungsvolles Licht auf Godlewskis Resultate durch diese neue Herbst sehe Arbeit ge- worfen wird. Es erscheint danach sehr möglich, dass auch bei des erstem Versuchen die Eier einen gewissen parthenogenetischen An- satz hatten, zumal die Vorbehandlung Analogien aufweist.) Einen weitern Beleg für die interessante Verschiebung erhielt Herbst dadurch, dass in einer Kultur, die auf die Essigsäure nur geringe Reaktion mit parthenogenetischer Entwicklung zeigte, auch der Prozentsatz der Larven, welche mütterliche Charaktere hervor- treten Hessen, ein entsprechend geringer war, die andern Plutei ge- wöhnliche Bastarde waren. Also ist nicht die Behandlung mit Fett- säure an sich die Ursache der Verschiebung, sondern das Vorhanden- sein eines Ansatzes zur Parthenogenese im Befruchtungsmoment. Um ein weiteres Verständnis zu gewinnen, muss man laut Herbst die Veränderungen analysieren, die bei Parthenogenese in einem Ei cytologisch nachweisbar sind. Diese besteben nach E. B. Wilson hauptsächlich in einem GrössenAvachstum des Kerns (Chro- matins) und in einem Zusammenströmen körnchenfreien Plasmas, be- sonders um den Kern. Für die Verschiebung der Vererbungsrichtung können also a) dieses Anwachsen der ? Kernsubstanz, b) eine Zu- standsänderung im Plasma, c) beide Faktoren zusammen [also die Hertwigsche Kernplasmarelation, Ref.] verantwortlich gemacht werden. Verf. behält sich weitere Untersuchungen in dieser Richtung vor. Wenn die Verschiebung der Vererbungsrichtung sich wirklich davon abhängig erweisen sollte, so wäre damit eine quantitative Be- ziehung zwischen der Menge der mütterlichen Kernsubstanzen und dem Grade des Hervortretens der mütterlichen Charaktere gewonnen. Es bleibt ferner zu untersuchen, ob auch das Schwanken der Bastard- formen mit der Jahreszeit (Vernon) mit Schwankungen der Kern- grösse parallel geht, und sich als eine grössere oder geringere Neigung der Eier zur parthenogenetischen Entwicklung herausstellt. 0. Maas (München). 26 Fiscliel, A., Übe]r Bastardierungsversuche bei Echino- dermen. In: Arch. Entw.-Mech. Bd. XXÜ. 1906. S. 498—525. Mit 22 Fig. Fi sehe 1 hat gesucht, bei dem Widerstreit der Meinungen, der über die Beeinflussung der Bastardentwicklung vom Eiplasma herrscht, neue Untersuchungen „besonders an wenig oder gar nicht bekannten Bastardformen" anzustellen. Es gelang ihm die Kreuzung Arhacia cf Zoolog. Zentralbl. 14. Band. j^j. 25 26. 5 — 54 — mit Sphaerechiniis {Echimis) hrevispinosiis o und umgekehrt. Ferner die Kombination -^, ^ — - — ^ . Die zur Bastardierung ver- Strongylocentrotus 9 ° wandten Eiarten unterscheiden sich sehr wesentlich, so dass auch ihre Entwicklungsstadien erhebliche Unterschiede aufweisen. Das Ärhacia-Ei ist wesentlich kleiner als das von Str., und dieses etwas kleiner wie das von E. {S2)h.) hr. Die Form der Bastarde ver- schiedener Kombination entspricht nun durchaus nicht rein dem mütterlichen Typus, trotz der zu erwartenden Beeinflussung durch das Eiplasma. Über das Verhalten des Kalk skeletts der Bastard- larven lässt sich zusammenfassend sagen, „dass zwar bei ihm die mütterlichen Charaktere überwiegen oder häufiger auftreten, dass es aber in einzelnen Fällen zweifellos von väterlicher Seite her beein- flussbar ist". Die Pigmentier ung der Bastarde trägt zwar vor- wiegend mütterlichen Charakter, kann aber doch auch vom Vater be- einflusst Averden. Für cytologische Verhältnisse der Bastardlarven (vegetative Polzellen der Blastulae) zeigt sich, dass die Zellen der Bastarde viel weniger klar sind und einzelne für den mütterlichen Typus charakteristische Merkmale verwischt werden, ohne dass man bei der Subtilität der Verhältnisse direkt von einer Annäherung an den Vater sprechen könnte. Bei der Einwirkung einer artfremdem Samenzelle erfolgen leicht Störungen des Eiplasmas, und eine Einwirkung des Eiplasmas auf den Entwicklungsgang ergibt sich dann dadurch, dass solche Störungen auch Unregelmäßigkeiten der Furchung und abnorme Lagerung der Plasmaqualitäten zur Folge haben. Damit genetisch verwandt ist das bei Bastardierung so häufige Auftreten von Missbildungen. Die Wirkungen der männlichen Geschlechtszelle lassen sich einst- weilen als formative und einfach mechanische unterscheiden. Da die formative Wirkung feststeht und bei der Befruchtung vom cf wesentlich die Kernmasse in Betracht kommt, so ergab sich die Folge- rung, den Kern als alleinigen Träger der Vererbungsubstanz aufzu- fassen, und in weiterer Verfolgung dieser Annahme die Chromosomen als Individuen, die mit wichtigen qualitativen Erbverschiedenheiten ausgestattet sind. Hiergegen führt Verf. die Ausführungen vonFick (1905) an, wonach „die Frage der Mitwirkung des Protoplasmas bei der Vererbung .... auch heute noch eine offene ist", sowie die Ex- perimente, die „unzweideutig dafür sprechen, dass zum mindesten ge- wisse Organdifferenzierungen wesentlich vom Protoplasma des Eies abhängig sind. Sicherlich fällt auch dem Kern eine sehr wichtige, zum Teil sogar die entscheidende Rolle .... zu"; aber es ist noch fraglich, ob diese Piolle speziell nur an die Chromosomen gebunden ist. — Nr. 26. — - 55 — Darum ist es besser „diese Function dem Kern zuzuschreiben, weil und insofern er lebendes Protoplasma besitzt". 0. Maas (München). 27 Ligiiau, N., Zur Frage über die Regenerationserschei- nungen bei den Anneliden (H. .lirrnay, KLBoiipoc'y o perene- pamii y Ko.ibHaTi.ixi. ^lepsefr). In: Mem. Soc. des natural, de la Nouvelle-Russie (Odessa). (3aniicKii HoBopoccnIcKaro oömecTBa ecrecx- Boiicn). T. XXVII. S. 1-40. Taf. I, IL 1905. (Russisch mit deut- scher Zusammenfassung.) Verf. schildert die Regeneration von Protodrilus flavocapitulus Uljanin, die vollkommen gelang, trotz der gegenteiligen Behauptung Uljanins; die Regenerationsfähigkeit ist sogar sehr gross, V" der Körperlänge werden am hintern Ende regeneriert. Alle Teile rege- nerieren vollkommen, ausser den Augen, die nur sehr selten neu ge- bildet werden. Am Vorderteile tritt der Darm nach dem Durch- schnitt des Tieres hervor und bedeckt mit seinen umgestülpten Rän- dern die Wunde. Später zieht sich der Darm zurück und wird vom Epithel des Kiefers, zuerst durch aktives Wandern desselben, bedeckt; erst später treten Mitosen auf. Der Darm bildet einen massiven Strang, der das äussere Körperepithel erreicht. Dieser Strang be- kommt ein Lumen. Dem Zellenstrange entgegen wächst eine Gruppe von Körperepithelzellen. Die Mundöftnung bildet sich durch die Spaltung des kompakten Zellenstranges, eine richtige Invagination fehlt. Das „muskulöse Anhangsorgan" hat zuerst das Aussehen einer flachen Erhöhung an der Hinterseite des Schlundes. Das Cerebral- ganglion bildet sich aus dem Ectoderm , aber zuerst wenig ventral unter der zukünftigen Mundöftnung; die Anlage rückt später nach vorne und dorsal. Darauf teilt sich diese Zellengruppe vom Ecto- derm und rückt tiefer ins Gewebe und sondert nach hinten Punkt- substanz ab, in der Verf. wieder Fasern entdecken konnte. Am Mntern Körperende wird der Darm nicht vom Körperepithel um- wachsen, sondern verlötet unmittelbar mit demselben und bleibt offen. Später bildet das Körperepithel eine Vertiefung, so dass das äussere Darmende doch ectodermal ist. Verf. weist darauf hin, dass in allen Regenerationsprozessen oft Abweichungen zu finden sind, wie es seinerzeit Ref. für andere Polychaeten nachgewiesen hat. E. Schultz (St. Petersburg). Teratologie. Pathologie. 28 Tarnani, J., MissbildungenbeiTieren. 1 — 3. (II. K. TapHaiui, ypcABTEa atuBOTHLixT.). St. Petersburg. 1906. (Russisch mit deutschem Resume.) 31 S. u. 3 Fig. — Nr. 26—28. — 5* - 56 — Verf. beschreibt eine secbsflüglige Motte, Gelechia distinctella Z. cT, der die Patagia an der Vorderbrust fehlen. Das dritte Flügel- paar ist das neu entstandene, da die Frenula an ihm fehlen. Obgleich er die Ursache ihrer Missbildung in einer mechanischen Einwirkung auf die Anlagen der Hinterflügel sieht, so glaubt er in ihnen doch atavistische Merkmale zu erkennen [was Referent schwer vereinbar scheint] und homologisiert das dritte Flügelpaar den stark entwickelten Zapfen an den Hinterflügeln des Schmetterlings Lohophora, da er überhaupt die Geometridae für den Motten nahe verwandt hält. Weiterhin beschreibt Verf. den Vorderflügel einer Hummel {Böm- bus lapidarius L. 9) mit einer überzähligen vierten Cubitalzelle, Diese Missbildung hält Verf. für eine progressive, da eine vierte Cubital- zelle für die Hymenopteren charakteristisch ist. Die Ursache der Miss- bildung ist auch hier eine mechanische Kraft. Endlich folgen Erläuterungen zur Morphologie der Doppelmiss- bildungen auf Grundlage von vom Verf. untersuchten Missbildungen von 16 Vögeln und 5 Säugetieren. Es existiert eine Correlation zwischen der Teilung der Wirbelsäule und der Teilung der Innern Organe ; von denen teilen sich die in der Mitte des Körpers gelegenen. Die Nieren teilen sich gewöhnlich nicht. Fängt die Teilung am vor- dem Rumpfe an, so teilt sich Wirbelsäule, Kopf, Schultergürtel, Vorderextremitäten, Nervensystem, Oesophagus, Luftröhre, Herz und Lunge; fängt die Teilung von hinten an, so teilt sich Wirbelsäule, Beckengürtel, Extremitäten, Nervensystem, Analöffnung, Enddarm, Blinddarm, Harnblase usw. Die Doppelmissbildungen entstehen durch den Einfluss einer mechanischen Kraft (Verwundung) auf Grundlage des Regenerationsvermögens. Verf. meint, dass durch vollständige Teilung und Regeneration sich Zwillinge bilden können ; doch will er dadurch natürlich nicht leugnen, dass auch durch Teilung eines Eies oder Zusammenfluss zweier Zwillinge entstehen. E. Schultz (St. Petersburg). Landwirtschaftliche und forstliche Zoologie. Fischerei. 29 21 »** Report of the State Entoniologist on Injurious and other In- sects of the State of New York 1905. In: New York State Mus. Bull. 104. 1906. S. 49-186. 48 Textfig. 10 Taf. Das Jahr 1905 war durch das Erscheinen zweier Graspesten ausgezeichnet. Crambiden waren sehr häufig und den Grasländereien in Rensselaer und Albany im ersten Frühjahr ziemlich verderblich. In der Mitte des Sommers erregte Heliophila imipuncta Haw. grosse Befürchtungen durch zahlreiches Auftreten in begrenzten Teilen von Chautauqua und Erie, doch war die Schädigung nicht so gross wie 1896. Die zweite Brut von Carpocapsa pomonella L. war ungewöhnlich häufig und verursachte starke Verluste. Ebenso war Macrodactyhis subspinosns Fabr. in einigen Teilen des Staates sehr zahlreich und entblätterte viele Obst- — Nr. 28—29. — — 57 — bäume. Aspidiolus perniciosus Comst. fährt fort sich auszubreiten, war aber nicht so zahlreich wie 1904. Schattenbäume einiger der Hauptstädte des Staates wurden ernstlich durch die Raupen von Hemerocampa Icucostigma Abb. a. Sm. geschädigt, tausende von Bäumen wurden entblättert. Eine besondere Behandlung erfahren in diesem Bericht: Fidia viticida Wsilah., Heliophila unipunctata Haw. und 7 CV«?H^!(s-Species. Ferner werden die Versuche über die Vertilgungsmittel der San Joselaus mitgeteilt. Zwei längere Abhandlungen be- treffen die Schattenbaum frage im Staate New York und die MosquitokontroUe. Eine „Cecidomyidenstudien" überschriebene Arbeit beschreibt 8 Arten dieser Gruppe, darunter 5 neue: Lasioptera carhonifera, Rhahdophaga rigidae, Bretnia tecomae, Ceeido' myia virginianae, C sambuci. W. May (Karlsruhe). 30 Nielsen, J. C, Zoologische Studien über die Markflecke. In: Zool. Jahrb. Abt. Syst. Bd. 23. 1906. S. 725—738. Taf. 30. Auf den Querschnitten mehrerer Holzgewächse treten öfters in den Jahresringen linien- oder halbmondförmige Flecke, sog. Markflecke, auf. Sie wurden zum erstenmal von Th. H artig beschrieben, der aber keine Erklärung ihrer Entstehung gab. Später haben mehi'ere Botaniker den Markflecken ihre Aufmerksamkeit zugewendet, sie aber als normale Gebilde betrachtet. Der erste, der zu einer richtigen Auffassung ihrer Entstehung gelangte, war Kienitz. Er fand in den Stämmen mehrerer Hölzer von Mai bis Juli eine kleine Larve, die in der cambialen Zone einen Gang frisst, und konnte zeigen, wie die Larvengänge sich im Holz verkapseln, so dass sie auf Quer- schnitten als Markflecke auftreten. Einen neuen Beitrag zur Natur- geschichte der Larve lieferte von Tubeuf, der an der Moorkultur- station bei Bernau zahlreiche Larven in den Birken fand. Aber weder Kienitz noch v. Tubeuf gelang es, die vollentwickelte Fliege zu züchten. Diese Lücke in unserer Kenntnis der Markfleckener- zeuger ist nun durch Nielsen ausgefüllt worden. Er erzog aus den Larven eine Fliege, die sich als Agromyza carhonaria Zett. heraus- stellte. Verf. gibt eine Beschreibung der Larve, Puppe und Fliege sowie eine Darstellung ihrer Biologie. Das Ei wird an der Unter- seite schwacher Seitentriebe der jungen Stämmchen von Birken und Vogelbeeren abgelegt oder an die Basis der jungen grünen Jahres- sprosse von Erlen. Nachdem die Larve das Ei verlassen hat, beginnt sie einen Gang in der Oberfläche des Cambiums zu fressen. Hat sie eine Länge von 1,5 — 2 cm erreicht, so ist sie ausgewachsen. Sie bohrt sich dann durch die Rinde nach aussen durch, fällt zu Boden und verpuppt sich einige Centimeter tief in der Erde. Die Puppe überwintert im Erdboden, und im nächsten Frühjahr kriecht die ■völlig entwickelte Agromyza aus. Ein gemeiner Schmarotzer der Puppe ist eine kleine schwarze und rote Hemitel es- Axt. Die Larven kommen am häufigsten in Roterlen, Weiden und Birken vor; weniger — Nr. 29—30. — - — 58 — allgemein fand Verf. sie in Vogelbeeren, Haseln, Pyrus- und Prunus- Arten. Die forstliche Bedeutung der Agromysa ist sehr gering, als schädlich für die Wälder ist sie sicher nicht zu betrachten. Die An- wendbarkeit des Holzes wird wohl auch durch die Markflecke nicht vermindert, da das Holz der Bäume, die hier besonders in Betracht kommen, zu feinern Arbeiten nicht viel verwendet wird. W. May (Karlsruhe). 31 Smith, John B., Report of the Entomological Department of the New Jersey Agricultural College Experiment Station for the Year 1905. Trenton 1906. S. 529—689. Fig. 1—37, 1-6. Der Winter 1904 '05 war nicht besonders streng, wenn auch die Kälte an- dauernd war und das Frostwetter sich bis in die Frühjahrsmonate erstreckte. Es war ein guter Winter für überwinternde Insecten. Auch die übrigen Jahreszeiten waren für die Entwicklung der Insecten günstig, und wenn auch keine bemerkens- werten Ausbrüche stattfanden, so war doch wenigstens ein sehr gleichmäßiger Schädigungsbetrag an vielen Arten von Pflanzen zu bemerken. Besonders behandelt werden in dem Bericht: Porthetria dispar L., Euproctis chrysorrhoea L., Orgyia leucostiyma S. u. A., Mincola vacrinii Riley, Pegomyia cepe- torum Meade, Hydroecin nebris Gn., Lecanmm persicae Modeer und Pulvinaria innumerabilis Rathv. Ein ausführlicher Bericht handelt von den Mosquitountersuchungen des Jahres 1905. Es werden darin beschrieben: Anopheles barberi Coq. C^dex pallidohirta Grossb., C. punctor Kirby, C. saxatUis Grossb. und Sayomyia punclipennis Say. W. May (Karlsruhe). 32 Feit, Ephraim Porter, The Gipsy and Brown TailMoths. In: New York State Mus. Bull. 103. 1906. 20 S. 10 Taf. Verf. behandelt die Naturgeschichte von Porthetria dispar L. und Euproctis chrysorrhoea L. Beide haben im östlichen Massachusetts ungeheure Verwüstungen angerichtet. Porthetria dispar hat tausende von mit Bäumen bestandenen Acres vernichtet. So wurde z. B. ein Park von 40 Acres im Jahre 1905 vollständig entblättert. Von der Basis eines einzigen Baumes wurden drei Wagenladungen Raupen entfernt. Die Pest brach zuerst in Medford, Mass. im Jahre 1868 oder 69 aus und wurde in den ersten 10 Jahren wenig beachtet. Dann wurden dia Raupen zahlreicher, und 1889 waren Medford und Umgebung buchstäblich von ihnen überzogen. Ungeheure Geldsummen wurden von den Behörden von Massa- chusetts zur Vertilgung der Raupen bewilligt, und die Massnahmen waren so erfolgreich, dass die Raupen 1898 und in den folgenden Jahren ziemlich selten waren. Leider wurde aber die Vertilgungsarbeit dann aufgegeben, und das Insect vermehrte sich wieder wie früher. — Später als Porthetria dispar ist Euproctis chrysorrhoea in Massachusetts eingeführt worden, hat aber bald eine solche Ver- breitung erlangt, dass tausende von Obstbäumen, Eichen, Ulmen usw. vernichtet worden sind. Die Verwüstungen beider Insekten sind so enorm, dass viele Eigen- tümer von Waldland, statt die sehr kostspielige Vernichtung der Raupen zu ver- suchen, ihre Wälder der Axt zum Opfer gebracht haben, selbst innerhalb weniger Meilen von der Stadt Boston. W. May (Karlsruhe). - Nr. 30-32. — — 59 — Schaff, Ernst, Jagdtierkunde. Naturgeschichte der in Deutschland heimischen Wi Idarte n. BerHn (Parey) 1907. 680 S. mit 168 Abbildungen. Preis Mk. 15,—. Verf. hat sich der dankenswerten Aufgabe unterzogen, das deutsche Wild vom zoologischen Standpunkt zu behandeln. Das Werk zerfällt naturgemäß in zwei Teile : Säugetiere und Vögel. Der letzte Teil ist wohl grösstenteils als ein für die Bedürfnisse der Jäger angefertigter Auszug aus Naumann anzusehen. Im ersten Teile stellt er dahingegen alles zusammen, was die neuere Forschung über unser heimisches Wild gebracht hat. Welche Fortschritte wir in der Kenntnis der Reh- und Hirschentwicklung seit Einführung der Wildmarken gemacht haben, ist ja bekannt. Aber alle diese Beobachtungen sind in Einzelabhandlungen dermaßen zer- streut, dass sie kaum auffindbar sind. Diese zu sammeln und zu einer einheitlichen Darstellung zu vereinigen, ist die Aufgabe, die sich Verfasser gestellt und zum Teil auch gelöst hat. Einzelne Abschnitte hätten allerdings sorgfältiger behandelt sein dürfen. Es steht z. B. die Behandlung der Raubtiere durchaus nicht auf der Höhe der der Huftiere. Am Schalenwild wird eingehend erst die Entwicklung des Milch- gebisses und des Ersatzgebisses genau nach Erscheinen der einzelnen Zähne behandelt. Bei den „Hirschartigen"^ ist der Geweihentwicklung ein breiter Raum gewidmet und sie ist ganz vorzüglich behandelt. Besonders die Darstellung des Erstlingsgeweihs ist hervorzuheben. Es wird auch beim Reh mit genügender Schärfe darauf aufmerksam ge- macht, dass das Gabelgeweih so selten auftritt, dass es nur als Aus- nahme bezeichnet werden kann. Andererseits vermisse ich die Er- wähnung des Geweihes bei weiblichen Tieren und die Perückenbildung beim Rothirsch. Aber auch auf andere anatomische Eigentümlich- keiten wird genügend Rücksicht genommen. Das Fehlen der Gallen- blase, die Verknöcherung der Herzscheidewand usw. sind erwähnt. Schliesslich wird auch der Jugendkleider wie der verschiedenen Farbenvarietäten, Albinos usw. gedacht. Ob es freilich richtig ist, dass das Jugendkleid des Rehes erst im Herbst schwindet, scheint mir zweifelhaft. Auch der nicht dezimierte Sprung der Rehfamilien scheint nicht ganz den Tatsachen entsprechend geschildert. Auch bei den Nagetieren dürften sich einige Irrtümer finden. So ist die Verbreitung des Bibers im letzten Drittel des vorigen Jahr- hunderts wohl nicht richtig angegeben. Bei dem Hasen ist es mir unklar, warum er in der Inhaltsübersicht als Lepns europaeus L. (Autornamen musste da Pallas sein), bei der Beschreibung aber als Lepus vulgaris L. geführt wird. Bei der Beschreibung des Hasen- — Nr. 33. — — 60 — Schädels finden wir dann den weit verbreiteten Irrtum , dass der Hase ein kleines Interparietale besitzt, welches mit dem Hinterhauptsbein verwachsen soll, während ich in Jahrg. II Nr. 38 (September) von Wild und Hund nachgewiesen habe, dass der Hase zwei Interparietalia besitzt, die mit den Parietalia verwachsen. Aber diese Notiz ist dem Verf. entgangen. Sehr freudig zu begrüssen ist es dagegen, dass er endlich mal Stellung nimmt gegen die noch immer, auch in wissen- schaftlichen Büchern verbreitete Ansicht, dass es Kreuzungen zwischen Hasen und Kaninchen gibt. Die Raubtiere hätten wohl, in Gebiss- und Farbenvarietäten be- sonders die Füchse, ausführlicher behandelt werden können. Ein Irr- tum wie der, dass ihnen ein dritter oberer Molar zugeschrieben wird, hätte nicht vorkommen sollen. Die Nomenclatur ist auch nicht mit genügender Sorgfalt behan- delt. Auf die zweifache Benennung des Hasen habe ich schon hin- gewiesen. Beim Kaninchen fehlt jeder Hinweis darauf, dass es als Sylvilagus von Lepus getrennt worden ist. Warum das kleine Wiesel als Fretorms vulgaris Keys, und Blas, [rausste richtiger Brisson heissen], anstatt mit der Linn eschen Bezeichnung nivalis genannt wird, ist nicht recht einzusehen. Trotz dieser kleinen Mängel ist doch in dem Buch das Wichtigste über unser Wild geschickt gesammelt und zusammengestellt, nur wäre eine gleichmäßigere Überarbeitung wünschenswert. Wenn alle Ab- schnitte auf die Höhe z. B. der über die Geweihbildung gehoben werden, kann das Buch eine recht wertvolle Bereicherung der zoolo- gischen Literatur über unsere einheimischen Säugetiere werden. M. Hilzheimer (Strassburg i. F.). Protozoa. 34 Awerinzew, S., Die Süsswasser-Rhizopoden. Lief. I u. II. (C. ABepiiHii,eBij, Rhizopoda npbCHBixi, boäi). In: Trav. Soc. Natural. St. Petersbourg. (Tpyjtbi C. IleTepöyprcKaro oöm- ecTecTBOiicn.) Vol. XXXVI livr. 2. 1906. 259 S. Taf. I— V. (Russisch mit deut- schem Resume.) Die vorliegenden Lieferungen umfassen die Systematik der Rhi- zopoda Testacea mit einer vollen Synonymik und Tafeln zur Be- stimmung der Arten. Dem systematischen Teile, der auch eine Reihe neuer Arten enthält [Corycia penardi n. sp., Pyxidicula invisitata n. sp., Sexangidaria parvnla n. gen. nov. sp., Lecqit. extranea n. sp., Cucurhitella longuJa n. sp., Biffiiigia septentrionalis n. sp., Nehela spumosa n. sp.. Neb. maxima n. sp., Neh. piüclierrima n. sp.), geht — Nr. 33—34. — — 61 — ein die allgemeine Morphologie und Physiologie der Süsswasserrhizo- poden überhaupt behandelnder Teil voraus, der einiges Neue bietet. Der Einteilung des Protoplasmas der Rhizopoden in verschiedene Zonen misst Verf. nur geringe Bedeutung bei, da sie von verschiede- nen physikalisch-chemischen Bedingungen abhängen und ihre Zahl und Reihenfolge nach diesen Bedingungen selbst bei derselben Art schwankt. — Die Ausscheidung einer klebrigen Flüssigkeit durch das Protoplasma scheint periodisch vor sich zu gehen. Die sogen. Excretkörner be- stehen aus phosphorsaurem Calcium. Die Phaeosome Rhumblers verwandeln sich nicht in die Plättchen der Schale. Unter den Pro- toplasmaeinschlüssen finden sich massenweise Glycogenkörner , die während der Fortpflanzung aufgebraucht werden. In den bei Felo- myxa gefundenen biophy tischen Bacterien sieht Verf. Organismen, die ihren Wirten zur Nahrung dienen, da dieselben verschiedene Stadien des Verdautwerdens aufweisen; aus demselben Grunde sieht Verf. auch die Zoochlorellen im Plasma der Rhizopoden als Nahrungsstoft" an, und hält die Bezeichnung Symbiose hier nicht für zutreffend. [Doch scheint es Ref. nicht für ausgeschlossen, dass nur die abge- storbenen Bacterien oder Zoochlorellen verdaut werden ; sonst müsste die Verdauung massenweise und sichtbarer bei fast allen, in ge- gebenen Momenten in den Rhizopoden eingeschlossenen Fremdorga- nismen vor sich gehen.] Die contractilen Vacuolen ergiessen ihren Inhalt, der aus Desassimilationsprodukten besteht, nach aussen. Der Kern hat zwei Hüllen, von denen die innere nur schwer sichtbar ist und nichts anderes darstellt , als die äussern Wandungen der Waben der Kernsubstanz. Die Binnenkörper des Kerns haben wabige Structur und bestehen aus achromatischer und chromatischer Substanz. Verf. findet auch bei allen von ihm näher untersuchten Formen die soge- nannte Chromidialsubstanz, die ihrer Structur nach mit den Binnen- körpern übereinstimmt. — Viel Gewicht legt Verf. auf die Beschrei- bung der Structur und chemischen Zusammensetzung der Schalen. Die organische Grundsubstanz der Schale bezeichnet er als Pseudo- chitin, welches chemisch an die Ceratine erinnert. Die Rhizopoden spielen nach ihm auch eine ziemlich bedeutende Rolle im Haushalte der Natur, indem sie lösliche Eisenoxydulverbindungen in die unlösliche Oxydform überführen, als welche dasselbe in den Schalen abgelagert wird. Es folgt ein Kapitel über die Fortpflanzung der Rhizopoden, wobei die freie Teilung bei Anioeha proteus (Caryokinese) beschrieben und die Rh um bl er 'sehen Beobachtungen an der „Knospung^^ von Cyphoderia für Lecquereusia, Nebela, Quadrida, Trineynma bestätigt werden. Conjugation sah Verf. nur zweimal, wobei eine Vermischung — Nr. 34. — — 62 - des Protoplasmas vor sich ging, Copulation beobachtete er oft. Die Kerne verschmelzen dabei nicht, nur alles Protoplasma mit seinen Einschlüssen erleidet eine vollkommene Vermischung. Von Encystie- rung beschreibt Verf. verschiedene Fälle. Er sah die Ausscheidung von Glyocgen vor der Encystierung. Bei Sphenoderia beschreibt er eine Encystierung ausserhalb der Schale. Zuletzt beschreibt Verf. den Entwicklungscyclus verschiedener Süsswasserrhizopoden. Bei Arcella degenerieren die primären Kerne beim Beginn des Fortpflanzungsprozesses, indem sie entweder all- mählich ihr Chromatin verlieren oder direkt ausgestossen werden. In dieser Zeit treten die neuen, secundären Geschlechtskerne infolge von Concentration der Chromidialsubstanz auf. Im ersten Falle bei allmählichem Schwunde des Chromatins der primären Kerne, bilden sich Microgameten, im andern Falle Macrogameten. Diese copulieren untereinander und ergeben je einen Amphiont mit einem Kerne. Daneben kommt bei Arcella aber auch eine Copulation der erwachsenen Individuen vor, die zur Encystierung und zum Zerfall in Sporen führt. Die Conjugation ist vom Zerfall der primären Kerne und der Entstehung secundärer Kerne aus den Chromidien begleitet. Das weitere Schicksal der Pseudopodiosporen bleibt unaufgeklärt. Interessant ist die Beobachtung, dass die Gehäuse der Mehrzahl aller lihizopoda Testacea jenseits der Polarkreise durchschnittlich grösser waren, als der gemäßigten Zonen, E. Schultz (St. Petersburg). 35 Chaiiisky, Ä. S., Physiologische Beobachtungen an Para- maecien. (A. C. XaiiHCKiH, odiitm coralloides, das Küken thal in der Untergattung Erythropodium untergebracht hat. W. May (Karlsruhe). — Nr. 39—40. — — 66 — 41 Seurat, L. U., Les ilescoralliennesdelaPolynesie. Struc- ture. — Mode de formation. — Faune et Flore. In: Bull. Mus. Oceanograph. Monaco. Nr. 65. 1906. 16 S. 2 Fig. Verf. besuchte im Jahre 1902 im Auftrag der französischen Regierung Tahiti und die Tuamotu-Inseln und teilt in diesem Vor- trag, der in dem oceanographischen Kurs des Fürsten von Monaco gehalten wurde, einige seiner Beobachtungen in gemeinverständlicher Darstellung mit. Er gibt zunächst eine kurze Beschreibung Tahitis und seiner Bewohner und charakterisiert dann eines der Atolle des Tuaraotu-Archipels. Die Charakteristik des einen Atolls gilt im wesent- lichen auch für die übrigen des ausserordentlich einförmigen Archipels, nur Makatea weicht von den andern Inseln durch die bedeutende Höhe von 70 m ab. Verf. geht auch auf die Entstehung der Korallen- riffe ein und hält die Murraysche Theorie für ungenügend, die Bildung der Atolle zu erklären, sie müsse ergänzt werden durch die Annahme von A. Agassiz, dass eine allgemeine Hebung aller Inseln des Pacifik stattgefunden habe. Verf. glaubt Bestätigungen dieser Annahme beigebracht zu haben. Den Schluss des Vortrags bilden Bemerkungen über die Flora und Fauna der Tuamotu. W. May (Karlsruhe). 42 Torrey, Harry Beal, The California Shore Anemone, Bunodactis xantho- grammica. In: Univ. of California Publicat. Zool. Vol. 3. 1906. S. 41 — 45. Verf. beschreibt die Actinie Bunodactis xanthogrammica (Brandt), die unter wenigstens vier verschiedenen specifischen und fünf generischen Namen be- schrieben worden ist. Ihre Verbreitung erstreckt sich von Alaska bis nach Panama. W. May (Karlsruhe). 43 Pedasehenko, I)., Dr., Eine neue tropische Coelenteraten- form. (Ji,. ][. IlejtauieHKo, Hosaii TpoiiiiHecKaji opMa Coe- lenteraten). In: Travaux Soc. Imp. Natural. St. Petersbourg (TpvÄM II. C. üeTep^yprcKaro 06iu,ecTBa ecTecTBOiiciiHTaTe.ien).Bd.XXXVII. Lief. 1. Nr. 3 — 4. 1906. 26 S. u. 3 Taf. (Russisch mit deutschem Resume.) Verf. fand an der südwestlichen Küste von Java eine 1 — IVo nim lange hier abgebildete Coelenteratenform mit complicierten Aus- wüchsen. Der eigentliche Körper besteht aus einem oberen, oralen Ende, und einem aboralen {= Trichtergefäss) mit knopfförmiger Verdickung (= Sinneskörper) als Ende. Der orale Abschnitt ist seit- lich zusammengedrückt, er trägt zwei birnförmige Anhänge (= Ten- takelscheiden), von denen entspringen jederseits zwei röhrenförmige Hauptäste, welche sich abermals gabeln und mit je einem vertikal gestellten elliptischen Körper enden. Die Art der Fortbewegung be- obachtete Verf. nicht. Ein Exemplar schwamm mit dem oralen Pole — Nr. 41-43. — — 67 — nach oben gerichtet, die andern waren schon am Boden des Gefasses. Das Tier gibt die Architektonik der Ctenophoren, besonders der Cydippen genau wieder. Auch auf Schnitten konnte sich Verf. überzeugen, dass die Ähnhchkeit mit den Ctenophoren sich auch auf den feinern Bau erstreckt. Der Endknopf hat den gleichen Bau wie das Sinnes- organ der Ctenophoren. Die birnförmigen Anhänge sind Tentakel- scheiben mit Tentakeln, welche von Muskeln durchzogen werden. Greif- oder Klebzellen konnte Verf. gleichfalls sehen. Längs der breiten Magenwände verlaufen an der äussern Oberfläche zwei Magengefässe. Die Endkörper , welche den Rippen entsprechen, Dogielia malayana n. gen. n. sp. von der Transversal- oder Trichterebene gesehen. Halbschematisch. Vergr. 60 i. bestehen aus vacuolisiertem Entoderm mit undeutlichen Zellgrenzen und dünnem Ectoderm. Das Entodermpolster der Körper enthält massenhafte Anhäufungen kleinerer Zellen an der einen Seite der Rippe und grosser an der andern — dieses sind die männlichen und weib- lichen Geschlechtsdrüsen. Schwimmplättchen oder Wimperpaare fehlen an den Rippen, auch an der ganzen äussern Körperoberfläche fehlen Wimpern. Das Gallertgewebe ist in grösserer Menge nur am oralen Abschnitt entwickelt, ist auch hier ungleichmäßig verteilt und um- ringt die Magengefässe. Die Gallerte ist ein Produkt des äussern Epithels. Im Innern der Gallerte findet man Muskelzellen. Auch in den dünnen, membranösen Teilen der Körperwandungen gibt es contrac- tile Fasern. Das Tier unterscheidet sich von den übrigen Ctenophoren durch die Abwesenheit von Wimpern, den Bewegungsorganen, die geringe Entwicklung der Gallerte und die Beziehung derselben zum Ober- flächenepithel. Die Tiere haben die Wimperbewegung vollkommen durch — Nr. 43, — — 68 — Muskelcontractionen ersetzt. Wir haben es wohl mit einer aberranten, den Cydippiden am nächsten stehende Ctenophore zu tun. Die Ab- wesenheit der Schwimmplättchen lässt für sie die Aufstellung einer besondern Ordnung der „Actenae'' geeignet erscheinen. Verf. be- nennt die Form Bogielia malayana. Endlich lässt Verf. die Frage offen, ob wir hier nicht einen Fall von Dissogonie vor uns haben. E. Schultz (St. Petersburg). Nemathelminthes. 44 Martini, E., Über Subcuticula und Sei tenf eider einiger Nematoden, I. In: Zeitschr. f. wiss. Zool. Vol. 81. 1906. S. 699—766. Taf. XXXI— XXXIII. Verf. beabsichtigt eine Untersuchung der Subcuticula und der Seitenfelder der Nematoden vom embryologischen und vergleichend- histologischen Standpunkte; der vorliegende Beitrag, anknüpfend an des Verf. frühere Arbeit über Furchung und Gastrulation von Cucul- lanus elegans Zed. (1903), enthält embryologische Beobachtungen über die Genitalanlage, Mitteldarm, Enddarm, Oesophagus und Bulbus, Ectoderm und Muskulatur desselben Wurmes. — Die Genitalanlage erscheint nach vollendeter Gastrulation vierzellig. Bezüglich des defi- nitiven 16 zelligen Mitteldarmes der Culhilamis-Lsirxe ergibt sich, dass dieser allein ein Produkt der „16 zelligen Entodermniasse der sich zusammenrollenden Placula" ist. Es folgt eine Analyse der am Vorder- und Hinterende befindlichen kleinzelligen Massen rücksichtlich ihrer Beteiligung an der Bildung von Vorder- und Enddarm. Das Material zur Bildung der Subcuticula wird von sechs longi- tudinalen Zellreihen geliefert, die ans bestimmten Zellgruppen des primären und sekundären Ectoderms hervorgehen. Die Elemente der beiden am meisten dorsal gelegenen Reihen schieben sich bei jungen Embryonen („Stadium I") derart zwischen einander, dass aus ihnen eine einzige mediane „Dorsalreihe" von doppelt so grosser Zellenzahl als die der paarigen „Lateral-" und „Ventralreihen" entsteht. Die Kerne der dorsalen Zellen verharren jedoch in lateraler Lage und bilden zwei in beträchtlichem Abstand von der Mittellinie verlaufende Längsreihen. Auch die ventralen Zellreihen stossen in der Mittel- linie zusammen, während ihre Kerne gleichfalls in mehr lateraler Lage bleiben. (Diese Verhältnisse erfahren am Vorder- und Hinter- ende gewisse Modifikationen.) Die typische Lagerung der Zellen bleibt weiterhin erhalten ; bei etwas altern Embryonen treten zwei Längsreihen kleiner Kerne in dunklern Plasmaleisten zwischen den Kernreihen der Dorsalzellen und der Mittellinie auf. Sie stammen von dem kleinzelligen Material, das vordem die Entodermzellen in — Nr. 43—44. — — 69 — Gestalt einer dorsal offenen Rinne umgab und dessen äussere Zellen sich um das Entoderm herum unter die Dorsalzellen schieben; ein entsprechendes Paar kleinkerniger Längsbänder sondert sich auf der ventralen Seite. Sie dringen hier bis an die „Leibeswand^' vor, während gleichzeitig die Kerne der Ectodermzellenreihen in den Seiten- feldern zusammengeschoben werden ; eine subcuticulare Plasmaschicht bleibt aber im ganzen Umfang erhalten. Diese sechs Zellreihen von ganz konstanter Form, Lage und Zahl der Elemente bilden „das gesamte ectodermale Hautepithel". Die Längsbänder stellen die Musku- latur der Larve dar; vermutlich sind sie aus je zwei Zellreihen zu- sammengesetzt. — Die Entstehung von Ganglien- oder Hypodermis- zellen aus den in der ventralen Mittellinie gelegenen kleinkernigen Elementen ist ungewiss. M. Rauther (Giessen). 45 Rauther, M. , Beiträge zur Kenntnis von Merniis albicans v. Sieb., mit besonderer Berücksichtigung des Haut- Nerven-Muskel Systems. In: Zool. Jahrb. Abt. f. Anat. 1906, Bd. 23. S. 1—76. Taf. 1—3. Der erste Teil der Arbeit gibt eine Übersicht der Organisation von Mermis alMcans, der zweite Beiträge zur Histologie und feinern Anatomie der Haut, der Muskeln, des Nervensystems und des Oeso- phagus. Der Hautmuskelschlauch zeigt auf dem Querschnitt folgende Gruppierung seiner Bestandteile : in der mittlem Körperregion finden sich ein aus zwei Zellreihen gebildeter ventraler und zwei je aus drei Zellreihen bestehende, etwas dorsalwärts verschobene, laterale hypo- dermale Längswülste; die zwischen ihnen liegenden Muskelfelder werden durch je eine kernlose hypodermale Längsleiste (Dorsal- bezw. Sub- ventralleisten) geteilt; gegen das Vorderende hin tritt neben der Dorsalleiste beiderseits eine „Subdorsalleiste" auf, die jedes dorsale Muskelfeld in ein sublaterales und ein nur 2 — 3 Muskelzellen breites subdorsales Feld teilt. Vor dem Nervenring ist die Muskelmasse in vier Quadranten durch vier zellige Wülste (Median- und Lateral- wülste) abgeteilt, von denen sich weiter oralwärts zellige Submedian- wülste abzweigen. Die Längswülste und -Leisten stehen untereinander in Verbindung durch eine sehr dünne, zwischen Cuticula und Längs- muskellage befindliche Plasmaschicht; dieser topographische Befund scheint für die ectodermale Natur der Hypodermis zu sprechen. Die Längsmuskelfasern sind schmale spindelförmige Gebilde mit spär- lichem Sarcoplasma ; die contractile Rinde ist in der Nähe des Kerns einwärts offen, sonst rings geschlossen. Die Fasern der vier ventralen Muskelfelder entsenden ihre Nervenfortsätze teils zum Ventralnerven, teils zu den Subventralleisten ihrer Seite; analog verhalten sich die Zoolog. Zentralbl. 11. Band. j^j, ^^ ^5 g — 70 — dorsalen Muskeln. Die Fasern der vor dem Nervenring gelegenen Muskel- felder senden ihre Fortsätze in acht Bündeln direkt an die Hinter- fläclie des Nervenringes. Die transversale Muskulatur (Bursalmuskulatur, Ketractoren der Spicula des -J) besteht aus schlanken Fasern mit rings geschlossener contractiler Rinde und axialem Sarcoplasma; sie inserieren an beiden Enden direkt an der Cuticula, können demnach als „Epithelmuskelzellen^' bezeichnet werden. Die Spiculascheiden und die Cloake sind von Längsmuskelfasern (Exsertoren der Spicula) umhüllt, die ihren cuticularen Wandungen im ganzen Verlauf eng anliegen und zugleich deren epitheliale Matrix bilden, also ebenfalls „Epithelmuskelzellen'' sind. Das Nervensystem zeigt am Vorderende vier hinter dem Schlund- ring gelegene Ganglien: Ventral-, Dorsal- und Lateralganglien. Die effectorischen Fortsätze aller Ganglienzellen treten in den Schlundring ein und zwar teils median ventral, teils am dorso-lateralen Rande. Die receptorischen Fortsätze aller Ganglienzellen wenden sich orahvärts {die des Ventralganglions mit dem Umweg über die Seitenwülste); sie sondern sich vor dem Schlundring in sechs Bündel, deren jedes mit einer Gruppe schlanker bipolarer Zellen, Sinneszellen, in Verbindung tritt; deren oralwärts gerichtete Fortsätze begeben sich teils zu den sechs Kopfpapillen , teils endigen sie unabhängig von diesen. Jede Papille empfängt ein gegen die Oberfläche sich zu- spitzendes Bündel von blassen receptorischen Fasern und weiter zwei solche, die, mit einer stark färbbaren Hülle versehen, ausserhalb dieses Bündels verlaufen und von denen in den lateralen Papillen die eine zu einem „scheibenförmigen" Endorgan tritt. Ausserhalb der Papillen dringen zahlreiche „Sinnesfasern" in die Cuticula ein. Be- sonders bemerkenswert sind zwei nahe dem Vorderende in der Cuti- cula jederseits lateral befindliche Kanalbildungen; in dem vordem Paar von ihnen verlaufen jederseits vier aus den lateralen Bündeln stammende Sinnesfasern, von denen zwei durch besonders dicke Hüllen ausgezeichnet sind und endlich an der Cuticularoberfläche endigen. Das hintere Paar von „Seitenkanälen" enthält nur je zwei Fasern. — Alle motorischen Längsnervenstämme entspringen aus dem Schlundring und zwar vermittelst einer starken ventralen und zweier schwächerer, dorsolateraler Wurzeln. Aus ersterer entspringen der Ventralnerv, der sich in einen medianen „Hauptstrang" und in ,,Neben- stränge" sondert, deren Fasern mehr zerstreut im Plasma des Ventral- wulstes liegen, ferner die am ventralen Rande der Seitenwülste verlaufen- den Sublateralnerven ; die dorsolateralen Wurzeln geben dem schwachen Dorsalnerven und dorsalen Sublateralnerven den Ursprung. Nur an die Mediannerven treten Nervenfortsätze der Muskelzellen direkt — Nr. 45. — — 71 - heran; die übrigen Nervenzüge treten auf dem ümweg über die sub- ventralen bezw. subdorsalen Hypodermisleisten zu der Muskulatur in Beziehung. Das caudale Nervensystem des cT lässt 4 Gruppen von Ganglien- 2e]len unterscheiden, die nach ihren Lagebeziehungen als ventrale und laterale Analganglien und als Caudalganglion zu bezeichnen sind; sie versorgen die Bursalmuskulatur, die Muskeln der Spicula und der Cloake ; ihre receptorischen Fortsätze senden sie zu den den Anal- papillen zugehörigen und den in der Basis der Spicula gelegenen Sinneszellen. Vom Verdauungskanal ist der Oesophagus und der Mitteldarra als sog. Fettkörper, aber nur beim ^^^ die ., Cloake" erhalten. Der muskulöse vordere Schlundabschnitt ist bei erwachsenen Tieren dege- neriert und bildet ein enges cuticularisiertes Röhrchen; an ihn schliesst sich nach hinten eine Reihe von etwa 30 „spindelförmigen^ grossen Zellen an; ihr feinerer Bau, besonders das Auftreten von intracellulären ,,Saftkanälchen'^ macht es wahrscheinlich, dass sie an Stelle der fehlenden Seitengefässe als Excretionsorgan funktionieren. Die Geschlechtsorgane bestehen bei q-' und o aus paarigen Teilen (Hoden, Samenleiter, Samenblase bezw. Ovarium, Eileiter, Uterus), die sich ungefähr in der Körpermitte vereinigen ; das sich anschliessende unpaare Stück geht beim o in die kurze Vagina über, die Vulva liegt etwas vor der Körpermitte; beim rf bildet das un- paare Stück einen langen Ductus ejaculatorius, der in den Fundus der Cloake mündet; in diese öffnen sich dorsal auch die Spiculascheiden. Der Körperwand im Verlauf der Dorsal- und der Subventralleisten angeheftet, sowie im Schwanzende zu Gruppen vereinigt, linden sich eiförmige Fettzellen. Bezüglich alles histologischen und topographischen Details muss auf das Original verwiesen werden. M. Rauther (Giessen). 46 Rauther, M. , Über den Bau des Oesophagus und die Lo- kalisation der Nierenfunktion bei freil ebenden Nema- toden. In: Zool. Jahrb. Abt. f. Anat. Vol. 23. 1907. S. 703— 740. Taf. 38 und 7 Fig. im Text. Versuche über die Ausscheidung von Indigokarmin, angestellt an Vertretern mehrerer mariner Gattungen (Enoplus, Oncholaimus, Thora- costoma, Cylicolaimus) lehrten, dass weder die Ventraldrüse noch die Seitenfelddrüsen beim Excretionsprozess beteiligt sind; der Farbstoff sammelt sich einesteils in der muskulösen Wand des Schlundes, an den Stellen, die durch die Einlagerung von Pigmentkörnchen auffallend sind (also bei einigen Formen um die „Kanten" des dreiseitig-pris- — Nr. 45-46. — 6* — 72 — matischen Schlnncllumens, stets jedenfalls ausserhalb der Schlund- drüsen) an, andernteils im Darm, besonders in dessen vorderstem Ab- schnitt. Die Excretion ist eine indirekte ; sie kommt zustande, indem die mit gelösten Excretstoffen (im Versuch mit dem Farbstoif) ange- reicherte Leibeshöhlenflüssigkeit durch die Schlundwand hindurchge- presst wird und in den Darmkanal gelangt; indem sie diesen passiert, werden von den Darmzellen die in ihr enthaltenen assimilationsfähigen Stoffe resorbiert, der Rückstand gelangt mit den unbrauchbaren Nahrungsresten nach aussen. Der Durchtritt der Leibeshöhlenflüssig- keit durch die Schlundwand erfolgt unter dem Einfluss der Schlund- muskulatur; er ist ermöglicht durch besondere Poren in der Schlund- cuticula, die bald im Bereich der Mundhöhle {Enoplus, OncJwlaimus), bald in der Mitte des Schlundrohrs [Thoracostoma] gelegen sind. Während des Durchströmens der perivisceralen Flüssigkeit durch die Schlundwand lagern sich kleine gelbliche oder bräunliche Concre- mente zwischen den radiären Muskelfibrillen ab: excretorisches Pigment. Ausser den an der Excretion näher beteiligten Elementen er- fahren die Drüsen des Oesophagus eingehende Berücksichtigung. Neben den drei von de Man entdeckten Oesophagealdrüsen finden sich stets zwei „laterale Schlunddrüsen''. Ihre Lage haben sie bald im dorsalen Sektor {Thoracostoma)^ bald in den ventralen [Oncho- laimus) oder teils im dorsalen, teils in den ventralen Sektoren des Schlundcylinders; ihre Ausmündung in das Schlundlumen, genau lateral etwa V^ mm hinter dem Vorderende befindlich, konnte nur bei Oncholaimus sicher festgestellt werden. Die drei de Manschen Oesophagealdrüsen zeigen bei den untersuchten Formen beträchtliche Verschiedenheiten hinsichthch der Struktur, Grösse und der Bezie- hungen zur Mundhöhle. Bezüglich dieser und mancher weitern Ein- zelheiten sei auf das Original verwiesen. M. Rauther (Giessen). 47 Stewart, F. H. , TheAnatomy of Oncholaimus vtdgaris Bast., with Notes ontwoParasitic Nematodes. In: Quart. Journ. micr. Sc. Vol. 50. 1906. S. 101—150. Taf. 7-9. Hauptzweck der Abhandlung ist, durch Studien an Nematoden „einiges Licht auf die vergleichende Morphologie des Cöloms und der Nephridien" zu werfen. — An der Basis der Mundlippen öÖnen sich mit feinen Poren vier kurze, flache Taschen mit körnigem Inhalt; Verf. hält sie für Drüsen. Die Epidermis besteht aus der dünnen kernlosen Subcuticula und den deutlich zelligen, die Kerne enthal- tenden Seiten- und Medianlinien. Die Submedianlinien gehören — Nr. 46-47 — I I — 73 — nicht zur (ectodermalen) Epidermis , sondern sind mesodermale Scheidewände zwischen Gruppen von Muskelzellen. In den Längs- linien kommen zwei Zelltypen vor: 1. Zellen mit reichlichem, homo- genem Plasma, rundem Kern mit kleinen Chromatinkörnern und Nucleolus; 2. kleinere Zellen mit spärlichem Plasma und diffus färb- barem Kern. Ausserdem finden sich „in Reihen an den Rändern den Seitenlinien" birnförmige, mit feinem Porus die Cuticula durchdringende Drüsenzellen, die „identisch sind mit den von Jägerski öld bei Cylicolainius magnus beschriebenen." Das Nervensystem besteht aus dem Schlundring, dem „circumoesophageal collar" und dem Ganglion in der Wand des Rectums. Der „collar" besteht aus ein- gewucherten Zellen der Epidermis vom Typus 1 und 2 und 3 grossen ovalen Zellen mit rundem Kern und ' grossem Nucleolus, die nicht nervöser Natur, sondern wohl mit den Cölomzellen (s. u.) identisch sind. Längsnerven findet der Verf. nicht, „To sum up, the nervous System is very imperfectly differentiated .... the longitudinal lines, and possibly the subcuticula as well, form the conducting paths, both motor and sensory, in the latter capacity reciving Stimuli from the sensory hairs." (!) — Die Leibeshöhle ist erfüllt von einem Kerne enthaltenden „Mesenchym" , das in der Oesophagealregion ein fibrilläres Netzwerk, sonst eine gallertige Masse bildet; darin ein- gebettet finden sich zweierlei Zellen: 1. granulierte acidophile Zellen von ovaler Form, 2. flache Zellen mit basophilem Plasma und rundem Kern mit grossem Nucleolus , wahrscheinlich nervöser Natur. — Die Genitalröhren sind bei beiden Geschlechtern paarig; ihre epitheliale "Wandung geht am blinden Ende über in das syncytiale Keimlager. Beim 9 zerfällt jedes Genitalrohr in den Ovarialteil, Uterus und Vagina; ersterer entsendet vor dem Übergang in den Uterus einen Fortsatz, das „ovarian caecum"; am Eingang in den Uterus Hegt eine „Schalendrüse" ; die Vagina besitzt ausser dem Epithel eine starke Muskel- und Drüsenschicht; sie steht durch den „gonoenteri- schen Kanal" mit dem Darmlumen in Verbindung; dieser hat den Zweck, überflüssige Spermatozoen abzuführen; letztere finden sich nie im Uterus, wohl aber in der Vagina, wo die Befruchtung stattfindet, und oft im Darmlumen. Bei noch nicht geschlechtsreifen 9 § fehlen die „gonoenterischen Kanäle"; die Genitalröhren besitzen keinen zur Vulva zurückgebogenen Abschnitt, der Fundus des Genitalrohrs entspricht hier dem Cöcum; bei der Entwicklung zur Reife muss das „germinal syncytium" und die Oogonienmasse in der Richtung zur äussern Öffnung wachsen, ,, indem es die epitheliale Wand ausstülpt und das zurückgebogene Stück der ausgebildeten Gonaden liefert." — Nr. 47. — - 74 - Verf. beschreibt dann von Ascaris clavata Rud. ziemlich ein- gehend die Geschlechtsorgane, ohne wesentlich Neues zu bringen. Ferner berichtet Verf. über das Vorkommen einer grossen ein- zelligen, ventral zwischen den subventralen Mundpapillen mündenden Drüse bei Ascaris capsuJaria (Rud.?); sie erstreckt sich 15 mm weit unterhalb des Darmkanals in die Leibeshöhle ; ausser dem 6 — 7 mm langen Kern des Drüsenkörpers finden sich im Plasma des kurzen Ausführungsgangs ,,ein oder zwei kleine Kerne" ; der Ausführungsgang geht aus einem System kleiner, sich zu einem grössern Sammelgang vereinigender intracellulärer Kanälchen hervor. Verf. hält diese Drüse für ein Bindeglied zwischen der Ventraldrüse von Oncholainitts, mit der sie die freie Lage in der Leibeshöhle, ohne engere Verbindung mit den Seitenlinien, gemein hat und den typischen Seitenkanälen der Ascariden, besonders A. decipiens, mit denen sie den Besitz von intra- cellulären Kanälen teilt; ,,es ist wahrscheinlich, dass das Excretions- organ der Nematoden, in welcher Form es auch erscheint, ein Nephri- dium, homolog denNephridien z. B. der Plathelminthen oder Chaetopoden ist" (!) ; letzten Endes Hessen sich alle auf Hautdrüsen zurückführen. Die vom Epithel der Genitalröhren umschlossenen Hohlräume ent- sprechen einem ,, typischen Gonocöl oder Protocölom" (soweit sie zur Ovarial- bezw. Hodenregion gehören), die Ausführgänge (Ei- und Samenleiter usw.) ,,sind typische Gonoducte oder Cölomoducte." Zum Schlüsse demonstriert der Verf. an einigen Schemata die Analogie zwischen dem von de Man beschriebenen röhrenförmigen Organ von Oncholaimiis fuscus und dem Laur er sehen Kanal der Trematoden (Malacocotyle a) einerseits, dem gonoenterischen Kanal von 0. vul- garis und dem Genitointestinalkanal der Heterocotyleer andererseits. M. Rauther (Giessen). Insecta. 48 Needham, J. G., Morton, K. J. und 0. A. Joliannsen, May flies and midges of New-York. New-York Stat. Museum. Bull. 86. Entom. 23. Albany. 1905. 352 S. 37 Taf. Wie frühere ebensolche Schriften enthält auch dieses Bulletin sehr reichhaltige Mitteilungen über die Insectenfauna Nordamerikas, nament- lich über diejenigen Insecten, welche wenigstens einen Teil ihres Lebens im Wasser verbringen. Die Schrift bildet also eine Ergänzung der Bulletins 47 und 68, welche sich ebenfalls auf die von der „New- York Entomological Fieldstation" in Saranac Inn und Ithaca ge- sammelte Ausbeute bezogen. Needham berichtet zunächst über das Sommerfutter des „Bullfrog" {Rana cateshiana Shaw); der Frosch ergibt sich als sehr polyphag; ausser vereinzelten Crustaceen [Cam- — Nr. 47-48, ~ — , Bio.ioriiiecKur ii3c.iJiji.0BaHiii bl 3aK acnificKofi ()];.iacTn). In: Verhandl. d. K. Russ. Geogr. Gesellsch. Abth. All- gemeine Geographie (3aiiiicKii no or.iii,efi reorpa'i'nr Hmb. PyccK. J'eorpaj_ oo 017 ii - 130 — Bei einigen Tieren ist sogleich bis eine Stunde nach der Ope- ration die Haut zu öffnen, um die rein mechanisch ordnende Wirkung des Eingriffes kennen zu lernen. Die anderen Tiere sind erst nach mehreren Wochen oder Monaten zu untersuchen. An dem alsdann erhobenen Befund sind die rein mechanischen Wirkungen in Gedanken auszusondern, um die danach neu hinzugekommene gestaltende Reaction des Bindegewebes beurteilen zu können. Kaneko fügte diesen Versuchen sogleich einige eigne Versuche hinzu : 1. Ein Faden wurde durch eine Wunde eines platten Muskels oder eine Aponeurose gespannt gehalten, um den Wundrand auf dem Faden hin- und hergleiten, oder den Faden durch diese Wunde gleich- sam hin- und herschieben und dadurch vielleicht am Wundrande etwa einen bogen- bezw. kreisförmigen Faser säum von Binde- gewebe entstehen zu lassen. 2. Mit einer Fadenschlinge , welche mit irgend einem unbeweg- lichen Körperteile fest verbunden ist, wurde ein Teil von Cutis unter- gehakt, um damit vielleicht durch den Hautzug gegen den Schlingen- scheitel des Fadens an der Cutis ein Schlingengebilde ausbilden zu können. 3. An den platten Muskeln wurden, ohne Faden einzufügen, ver- schiedene Löcher von verschiedener Gestalt und Größe ausgeführt, um zu erkennen, welch ein Bildungsvorgang durch die eigene Muskeltätigkeit an dem Granulationsgewebe, das an dem be- züglichen Wundloche entstehen soll, vor sich gehe. Als Ergebnisse dieser Versuche vorlagen , hat R o u x noch die folgenden Versuche vorgeschlagen : ,,I. Versuche mit rundem Loch im M. latissimus dorsi oder M. biceps femoris, ohne Faden einzufügen, aber mit elektrischer Reizung des Muskels, zwei bis dreimal täglich mit dem Wechsel- strom: a) bei Aufsetzung der Elektroden in der Faserrichtung beiderseits, also proximal und distal von dem ganz nahe dem distalen Rande befindlichen rundlichen Loch, b) mit Aufsetzen beider Elektroden proximal von dem gleichgelagerten Loch. n. Versuche mit mehreren queren grossen Spaltungen des Muskels proximal von dem am distalen Rande befindlichen rund- lichem Loch, einmal um die Muskelcontractionen durch die Ver- kleinerung der Muskelfasern möglichst gering zu machen, zweitens, um durch Durchschneidung der Nerven die Contractionen bei den distalen Muskelfaserstücken ganz aufzuheben und an den angrenzenden — Nr. 87. — — 131 — Spalten vielleicht eine andere Reaction im neuen Bindegewebe der Stelle zu finden. III. 1. Es soll nahe dem Ursprungsrande des Muskellieisches im M, latissimus dorsi ein Querschnitt von 1 V2 — 2 cm Länge und davon jederseits in der Faserrichtung ein Längsschnitt von erheblich grosser Ausdehnung, 3 — 5 cm, angeschlossen werden. 2. Ähnlich wie Versuch 1 aber den Querschnitt 2 — 3*/2 cm breit und ausser den Längsschnitten am Rande noch ein oder zwei Längsspalten von gleicher Länge wie bei Versuch 1 im Lappen. 3. Es soll auch Versuch II mit solchen seitlichen Längsschnitten verbunden werden, hier um die Nerven sicherer zu durchtrennen. 4. Es soll ein schmaler, etwa 2 mm breiter, Längsausschnitt von 2 — 3 cm Länge aus dem M. latissimus dorsi bis nahe an die Ursprungssehne heran gemacht werden.^' Der Verf. schliesst an diese Formulierungen eine Erörterung über das "Wesen der functionellen Anpassung, um damit zu beweisen, daß sich das Genauere und besonders das Sichere in der Prüfung ur- sächlicher Fragen erst auf experimentellem Wege erforschen lasse. Als Untersuchungsobjekt hat das Kaninchen gedient. Über die Methoden gibt S. 327 — 339 Auskunft. Die Operationen sind Seite 339—364 beschrieben. Zusammengefasst sind die Resultate S. 364 372 und im Anschluss daran noch einmal kürzer S. 372 — 373. „1. Die Zellen der Granulationen, welche in den Wunden der Sehnenhäute und Muskeln sich befinden, differenzieren sich immer nach der durch einen überlegen stark einwirkenden mechanischen Zug gewiesenen Richtung und 2. man kann daher aus dem indifferenten oder noch jungen Granulationsgewebe durch einen zweckmäßigen künstlichen Reiz die Bildung irgend einer beliebigen Anordnung veranlassen, 3. Aber an dem bereits völlig differenzierten Bindegewebe kann (ohne Neubildung junger Zellen) nicht mehr die Bildung einer neuen Gestaltung veranlasst werden, sondern 4. dieses Gewebe atrophiert, wenn der Reiz darauf stark ein- wirkt. Ausserdem 5. wird dies Gewebe mit jungen Fasern, die aus dem Granula- tionsgewebe abgeleitet und durch einen gegebenen Zug differenziert wurden, versetzt. 6. Wenn an einem platten Muskel in querer Richtung zu den Muskelfasern ein einfacher Schnitt oder ein Ausschnitt von irgend einer Gestalt ausgeführt wird , so ändert sich die Öffnung in den (S. 373) meisten Fällen in eine annähernd rundliche Lücke um , die offen bleibt, wie mir scheint, wenn der Muskel mehr der Bewegung — Nr. 87. — 11* - 182 — ausgesetzt ist, oder andernfalls durch eine bindeirewebige Membran verschlossen werden kann. 7. Um diese Lückenwand herum ist immer ein Randsaum, der aus längsgestreckten Bindegewebszellen besteht, gebildet, und je dünner die Verschlussraembran ist, um so deutlicher grenzt sich der Saum von der Membran ab. 8. Diese Ausbildung des bindegewebigen Randsaumes wird durch den am Wundrande stattfindenden mechanischen Reiz veranlasst. 9. An der Wunde, an welcher eine Verwachsung stattfand, oder an denjenigen Stellen derselben, wo dies geschieht, bildet sich der Randsaum gar nicht oder nur undeutlich. 10. Wenn auf lockeres Bindegewebe ein konstanter mechanischer Reiz einwirkt, so wird es durch einen infolge des gegebenen Reizes differenzierten Faserzug ersetzt. 11. Durch einen in geeigneter Weise angewendeten elektrischen Reiz geht die Differenzierung vielleicht schneller vor sich. 12. Wenn in einem Muskel mehrere voneinander getrennte Schnittwunden gemacht werden, so tritt an derjenigen Wunde, an der das Bindegewebe dem Zuge mehr ausgesetzt ist, die Differenzierung schneller ein. 13. Der starke entzündliche Vorgang hindert oder verzögert wenigstens die Differenzierung von Bindegewebsfasern in bedeutendem Maße. 14. Es folgt aus den Versuchen die Möglichkeit, dass, wenn die durch die Lebewesen selber ausgeführten Reizwirkungen ganz genau von uns nachgeahmt werden könnten, alle Bindegewebsgebilde wohl künstlich müssten erzeugt werden können, und 15. wie es denn auch in der Tat gelang, einige typische structurierte bindegewebige Bogengebilde künstlich zu erzeugen." Th. Krumb ach (Breslau). Matsuoka, M., Über Gewebsveränderungen der künstlich erzeugten Kyphose der Schwanz Wirbelsäule des Ka- ninchens. Mit 1 Taf. In: Arch. Entwmech. 18. Bd. 1904. 3. 253—260. Der Verf. hatRibberts Versuche von 1898 über Veränderungen der abnorm gekrümmten Schwanzwirbelsäule mit einer Modifikation wiederholt. Ribbert hatte so experimentiert, dass er die physio- logische dorsalkonkave Krümmung verstärkte. Matsuoka ver- krümmte die Schwanzwirbelsäule des Kaninchens, die Konkavität ventralwärts gerichtet, erzeugte also eine Kyphose, und fixierte das letzte Ende des Schwanzes durch einen starken Faden an dem Weich- - Nr. 87-88. — — 138 — teile der Sclnvanzwurzel. Bei vorsichtiger Verkrümmung entstand immer starke Einknickimg zwischen zwei Wirbelknochen, wodurch Gewebsveränderungen hervorgerufen wurden, und der Grad der so entstandenen winkligen Einknickung der Schwanzwirbelknochen ver- mehrte sich von Tag zu Tag. Von der zweiten Woche nach der Operation an behielt die Schwanzwirbelsäule die kyphotische Ver- krümmung ohne besondere Fixation durch Fäden bei. Als Versuchstiere dienten jüngere Kaninchen von fast gleichem Ernährungszustande, und die Untersuchungen der pathologisch-ana- tomischen Veränderungen an den Objekten fanden statt am 54., 97., 127. und 153. Tage nach der Operation. 1. Was ist die Folge der Biegung der Schwanzwirbelsäule V — Zunächst ist die Intervertebralscheibe an der konvexen Seite aus- gedehnt, an der konkaven retrahiert und gleichzeitig durch die be- nachbarten Wirbelkanten zusammengedrückt. Infolgedessen ist das Synchondralgewebe hyalin verknorpelt. (Hyaline Verknorpelung erleidet auch eine dem Druck nicht ausgesetzte Stelle ausserhalb der Wirbelsäule.) Der Epiphysenknorpel ist an der konvexen Seite bald verkleinert, bald verschwunden, bald verknöchert, während er an der konkaven Seite das Bild der energischen Proliferation der Knorpelzellen zeigt. Die Epiphyse ist immer schmal und klein; manchmal verändert sie ihre eigne Form und gleichzeitig, ist sie un- regelmäßig gestaltet; in einem Falle der Präparate ist die eine der der Biegungsstelle nahe liegenden Epiphysen der beiden be- nachbarten AVirbel, die gegeneinander einen scharfen Winkel bilden, ganz geschwunden. Daraus ergibt sich, dass der auf das Wirbel- gelenk wirkende Druck eine Atrophie an der Epiphyse und dem an der konvexen Seite liegenden Epiphysenknorpel hervorgerufen hat und dass später die ebenso gedrückte Intervertebralscheibe und Diaphyse bedeutende Wachstumsenergie entfaltet haben. An der ge- krümmten Stelle, besonders an der konvexen Seite, handelt es sich um beträchtliche Neubildung und hyaline Verknorpelung des Inter- vertebralscheibengewebes und energische Ausbildung der Knochen- bälkchen in dem der Zone des Epiphysenknorpels zunächst stehenden Diaphysenteile. 2. Welches ist die Ursache, die die Structurveränderung des Knochens beeinfiusst hat? — Die durch kyphotische Verkrümmung hervorgerufenen Knochenbälkchen erleiden an der konkaven Seite Verstärkung, an der konvexen relativ geringe Architekturveränderung. In dem der stark gedrückten Biegungsstelle der konkaven Stelle zu- nächst liegenden Diaphysenteile hat die Druckwirkung die Resorption der spongiösen und der kompakten Knochensubstanz befördert, — Nr. 8S. — — 134 — nämlich da, wo die kompakte Knochensubstanz infolge einer Krümmung nicht mehr in Anspruch genommen wird. Andererseits beginnt der Neubildungsprozess der Knochensubstanz an dem Epiphysenknorpel, der Markhaut und dem Periost der konkaven Seite (nur mit Ausnahme des 127 tägigen Präparates, in dem die Knochenbälkchen an der kon- vexen Seite, da wo der Druck am stärksten gewesen zu sein scheint, gut ausgebildet sind). Die auf die konkave Seite von Wirbel zu Wirbel wirkenden Druckkräfte und die Verschiebung der Kontaktfläche der Epiphysenenden beider Wirbelknochen, die durch kyphotische Ver- krümmung der Schwanzwirbelsäule hervorgerufen wurden, hatten an der konkaven Seite ausgiebige Verbreiterung der intervertebralen Basal- fläche und mächtige Ausbildung der Knochenarchitektur verursacht. Diese Knochenarchitekturen, Druckbälkchen, sind als den statischen An- sprüchen entsprechende Bildungen zu betrachten. An der Diaphyse der konvexen Seite, Zugseite, der gekrümmten Schwanzwirbelsäule wird einer- seits die Knochensubstanz, die bei den veränderten Bedingungen wertlos geworden ist, durch Druck der daraufliegenden abnorm stark gespannten Bänder und Weichteile resorbiert, andererseits sind sie wegen der Entlastung in der den statischen Ansprüchen entsprechen- den Weise wieder hergestellt, wenn auch die Veränderung der Knochen- architektur an der konvexen Seite nicht so energisch ist wie an der konkaven Seite. — Daraus folgt, dass zunächst Druck und Belastung die Resorption der Knochensubstanz befördert und dann die den statischen Ansprüchen entsprechende Architekturumwandlungen der Compacta und Spongiosa hervorgerufen haben und dass Zug und Entlastung anfangs Resorption der Knochensubstanz bewirkt und später in dem Sinne der statischen Ansprüche den Knochenbau ver- ändert haben. Th. Krumbach (Breslau). Protozoa. 89 Faure-Freiiiiet, M. E., Sur la structure intime du proto- plasma chez les Protozoaires. In: Comp. Rend. Acad. sc. Paris T. 142. 1906. S. 58—60. Im Cytosom der Protozoen kann man das Cytoplasma und die Spheroplasten unterscheiden. Das Cytoplasma enthält zwei Substanzen, das Hyaloplasma und Paraplasma. Die Struktur dieser Substanzen ist variabel, alveolär, reticulär oder es sind feine Fädchen vorhanden. Die Spheroplasten werden mit den Trophoplasten der Pflanzenzellen verglichen. Sie besitzen eine bestimmte Individualität und können sich durch Teilung vermehren. Für das Leben sind sie sehr wichtig, indem sie notwendige Stoffe bereiten. Der Verf. erwähnt näher die Spheroplasten bei einigen Infusorien [Paramaecnwi, Nassula, Cam- — Nr. 88-89. — 90 — 135 — panella, Opalina usw). Bei der innern Secretion sind sie wirk- sam und bilden eine Menge chromatophiler Granulen, Crystalloiden, Fettkügelchen usw. Auch bei der äussern Secretion sind sie bedeutsam. Sie können nämlich nach der Meinung des Verfs. sogar wirkliche Gewebe bilden, z. B, die Alveolarschicht Bütschlis, den Plasmafaden im Stiel der Vortizellen usw. H. Wallengren (Lund). Faure-Freiiiiet, M. E., Phenomenes pro toplasmiques dus a l'anesthesie chez Glaucoma pyriformis. In: Compt. rend. See. Biol. T. GO. 1906. S. 491—493. Als Anästheticum hat der Verf. hauptsächlich schAvache Alkohol- därapfe benutzt. Die Wimperbewegung und innere Plasmaströmung werden allmählich verlangsamt und zuletzt sistiert. Das Plasma wird stärker licbtbrechend, was auf eine Deshydratation zu deuten scheint. Behandelt man eine anästhesierte Glaucoma mit Brillantkresylblau. so werden das Plasma und der Kern blau gefärbt. Diese Färbung verschwindet aber beim Aufhören der Anästhesie, was darauf deutet, dass der intraprotoplasmatische Prozess, wodurch die Dissociation der Chromophoren und Auxochromen im Färbstoftmolekül hervorgerufen wird, während der Anästhesie geschwächt ist. Ferner ist bei den anästhesierten Tieren die Permeabilität des Plasmas und besonders die des Kernes bedeutend grösser als bei den normalen. Der Verf. hat nämlich betäubte Glaucoma-IndiWiAnen z. B. in eine Eisenzucker- lösung überführt, danach durch Erhitzung fixiert und mit Ammonium- sulfatlösung behandelt. Hierbei zeigte es sich, dass der Kern lebhaft gefärbt wurde. Bei einem ähnlichen Verfahren mit normalen Indi- viduen dagegen nahm der Kern beinahe keine Färbung an. Das Anästheticum kann den Tod entweder direkt (durch eine Deshydratation) oder indirekt (durch abnorme Permeabilität, wobei aufgelöste Stoffe absorbiert werden und eine Desorganisation des Plasmas hervorrufen können) verursachen. H. Wallengren (Lund). 91 Faiire-Fremiet, M. E., Sur un cas de Monstrosite chez Stentor coeruleus. In: Arch. d" Anatom, micr. T. 8. 1906. S. 660 —666. Der Verf. hat ein interessantes Individuum von Stentor coeruleus beobachtet, bei welchem das hintere Körperende in zwei Stiele aus- gezogen war. Das Tier konnte sich mit den beiden Stielen fixieren. Während einiger Stunden verfolgte der Verf. die Veränderungen, die sich bei diesem Individuum abspielten. Nach einigen kleinen vorüber- — Nr. 89-91. — — 136 — gehenden Veränderungen in der Körperform zeigte sich eine Anlage zu einem neuen Peristom. Gleichzeitig bildete sich auf der Ventral- und Dorsalseite eine zapfenförmige Ausbuchtung, infolgedessen wurde der Körper ziemlich deformiert. Auch mit der ventralen Ausbuchtung konnte jetzt das Tier sich fixieren. Die beiden hintern Stiele fingen an, miteinander zu verschmelzen usw. Zuletzt starb aber das Tier ab. Der Verf. glaubt, dass dies monströse Individuum ein früheres Stadium zu dem von Balbiani vorher beobachteten Stentor mit zwei Peristomen repräsentiert und dass es sich um einen abnormen Verlauf des Renovationsprozesses handelt. Die Ursachen zu diesen abnormen Verhältnissen sind, wie der Verf. hervorhebt, ganz im Dunkel gehüllt, aber die Teratologie der Protozoen verdient ohne Zweifel viel mehr studiert zu werden als bis jetzt der Fall gewesen ist. H. Wallengren (Lund). Crustacea. 92 Calmaiiii, W. T., Zoological Results of the Third Tanganyika Expedition, conducted b}' Dr. W. A. Cunnington. 1904 — 1905. Report on the Crustacea. In: Proceed. Zool. Soc. London 1906. Vol. 1. S. 187—200. Tab. 11—14. Während im Nyasa und \' ictoria Nyanza nur eine einzige Art von Decapoden vorkommt — Caridina iiüotica, var. gracüipes (de Man) — die mit ihren Varietäten eine weite Verbreitung — vom Nil bis Natal im Süden und bis Queensland und Neu-Caledonien im Osten — hat, sind alle 12 Arten des Tanganyika endemisch. Von diesen ge- hört eine Art [moorei Calm.) zu der im Süsswasser der Tropen weit verbreiteten Gattung Falaemon. Ausser ihrer geringen Grösse zeigt sie im Bau keine Sonderheit. Die übrigen 12 Arten gehören zur Familie Atyidae und verteilen sich auf 3 Gattungen, Limnocavidina, Catidella und ÄttjeUa, die bisher auf den Tanganyika beschränkt sind. Von den übrigen Gattungen der Familie unterscheiden sie sich durch eine geringere Zahl von Kiemen. Doch ist bei der Ähnlichkeit von Limnocaridma mit Caridina und von Atyella mit Atya und Ortmannia anzunehmen, dass diese Reduction nicht monophyleti- schen Ursprungs ist. Da Palaemon sowohl wie die Familie Atyidae weit im Süsswasser der Tropen verbreitet sind, liegt nicht der geringste Grund vor, die Decapoden des Tanganyika als Relicten aus einer Zeit zu betrachten, wo noch dieser See mit dem Meere zusammenhing. Von den 12 Arten sind 10 neu, während 2 vom Verf. bereits an anderer Stelle beschrieben wurden. C. Zimmer (Breslau). 93 Bouvier, E. L.. Observations sur les Peneides du genre Haliponi i Sp. Bäte. In: Bull. Mus. Oceanogr. Monaco. 1906. Nr. 81. S. 1 — 11. — Nr. 91-93. — — 137 — Die Arten des Genus werden nach systematischer Stellung und Verbreitung besprochen, eine Bestimmungstabelle wird aufgestellt. Neu beschrieben werden H. androgyniis, affinis, robustus, carinatus, so dass die Gattung jetzt 19 Arten umfasst. C. Zimmer (Breslau). 94 Bouvier, E. L., Surles Gennadas ou Peneides bathypelagiques. In: Mus. Oceanogr. Monaco. 1906. Nr. 80. S. 1—13. Fig. 1 — 16, Durch Vergleich der Resultate von Grundfängen und Stufenfängen weist Verfasser nach, dass die Gattung Benthesicymus Grundformen grosser Tiefe, die Gattung Gennadas bathypelagische Formen umfasst. Die zweite Gattung hat sich durch Anpassung an die schwimmende Lebensweise aus der ersten entwickelt. Die Auffassung, dass Gennadas zum Laichen in höhere Schichten steigt, hält Verf. für irrig, glaubt vielmehr, dass die wenigen Fälle, in denen Gennadas an dt r Oberfläche gefangen wurde, auf abnorme Verhältnisse zurückzuführen sind. Neu aufgestellt werden die Arten : G. alicei, sciUatus, talismani, tinayrci. C. Zimmer (Breslau). 95 ("outiere, H., Notes surla synonymie et le developpementde quelques llaplophoridae. In: Bull. Mus. Oceanogr. Monaco. Nr. 70. 1906. S. 1—20. Fig. 1-7. Auf Grund neueren Materials stellt der Verf. fest, dass seine Syslellaspis bouvieri nur ein Entwicklungsstadium von S. debilis A. M. Edw. ist. Die Unter- schiede gegen das geschlechtsreife Tier liegen in dem längerm Rostrum , den grössern medianen Dornen am Hinterrande des 3. Abdorainalsegmentes, der Ein- zahl des Seitendornes am 4. u. f. Abdominalsegment und der beträchtlich geringern Zahl der Leuchtorgane. Ganz entsprechend ist Acanthephyra parva des Verfs. ein Jugendstadium von A. purpiirca A. M. Edw. C. Zimmer (Breslau). 96 De Man, I. G., Über einige Arten der Gattung Potamon Sav. von den Philippinen und von Kap York, Australien. In: Zool. Jahrb. Syst. Bd. 23. 1906. S. 743-760. Bürger halte in den Zool. Jahrb. Syst. Vol. 8, S. 1 — 7, 1894 „Beiträge zur Kenntnis der Gattung Telphusa" veröffentlicht. De Man erweitert und vervoll- ständigt auf Giund von ihm vorliegenden Bürgerschen Originalen die dortigen kurzen und ungenügenden Beschreibungen. C. Zimmer (Breslau). 97 Kluiiziiiger, C. B., Die Spitz- und Spitzmundkr abben (Oxy- rhyncha und Oxystomata) des roten Meeres. Stuttgart (Ferd. Enke) 1906. 4». 91 S. Fig. 1-13. 2 Taf. Preis Mk. 10. Yerf. behandelt systematisch-faunistisch die Oxyrhy neben und Oxystoraen des roten Meeres. Zunächst gibt er eine Zusammen- stellung der Literatur über die Brachyuren des indischen Ozeans. Dann beschreibt er 38 Arten und 2 Varietäten, die sich auf 32 Gattungen verteilen. Manche biologische Notizen sind beigefügt. Neu sind: Simocareiniis camelus mit 2 Varietäten, Herhstia corniculata, conti- gmcornis, Heterocrypta pefrosa, PartJienope acuta, Limedon (n. g. ex fam. Parthenopidae) pentagouns, Cryptocnemus tulerosiis. Ausserdem sind für das rote Meer neu 6 Arten. Besonders Gewicht werden auf — Nr. 93-97. - — 138 — Alter- und Geschlechtsunterschiede gelegt. Es zeigte sich hierbei folgendes : Dornen und Stacheln sind bei Jungen und Weibchen spitzer als bei alten Männchen. Innerhalb der Art sind diese Gebilde kon- stant nach Zahl und Anordnung. Bei jungen 2 ist das Abdomen schmäler als bei alten. Die d' haben im allgemeinen ein schmäleres Abdomen als die ?, doch kommen Ausnahmen vor. Auf eine eigen- tümliche Schliessvorrichtung hat 1880 Richter aufmerksam gemacht. Er fand am Sternum jederseits einen Knopf, der in eine Vertiefung am Abdomen einschnappt. Er hält Individuen , die derartig Ab- domen und Thorax verbunden haben, für sterile Weibchen. Verf. findet die Vorrichtung auch bei ö' und — allerdings nicht einge- schnappt — bei 9 mit Eiern. Bei alten d' sind die Scheren länger und stärker, die Finger klaffend , beim 9 und jungen cT länger und schwächer, die Finger schliessend. Zuweilen ist das ? ständig viel kleiner als das cf\ Ein auffallender Geschlechtsdimorphismus findet sich bei Simocarcinus, wo das Rückenschild des 9 lappige Form hat, die beim cT viel geringer ist. Die Gestalt der Tiere ist meist ziemlich formbeständig; wandel- bare Gestaltung einzelner Teile zeigen sich ab und zu. Die Grösse der Oxyrhyncha des roten Meeres ist meist gering (1 — 4 cm), während sich bei den Oxystomen auch grössere Formen finden. Von systematischer Wichtigkeit ist die Gestalt der Augenhöhlen, der Augenteile, der äussern Antennen, des Stirnschnabels, der Kiefer- füsse, des Mundschildes, der Körperoberfläche, der Angelhaare. Verf. beklagt, dass wir über den Zweck und die physiologische Bedeutung der verschiedenen Teile so wenig wissen , da die Be- obachtung der lebenden Tiere noch durchaus ungenügend sei. Am gesamten Habitus mögen wohl die Tiere einer Art sich gegen- seitig erkennen. Die Bedeutung der Angelhaken und der Scherenfüsse für die Maskierung ist schon öfters hervorgehoben worden. Die Struktur der Körperoberfläche bewirkt oft eine Nachahmung der Umgebung, wo keine Maskierung stattfindet. Dornen und Stacheln sind teils ein Schutz gegen Feinde, teils Organe zum Anstemmen in Schlupfwinkeln. Manche Krabben haben einen Schutz in der Verbreiterung teils des Rückenschildes, teils der an- und eingezogenen Füsse, so dass sie wie eine Schildkröte gedeckt sind. Der weit vorragende Stirnschnabel könnte nach Lage und Form Sinnesfunctionen haben. Dafür sprechen einzelne Fälle {Menoelius), wo die an der Spitze sitzenden Haare anomale Form haben. Für das einströmende Atemwasser findet sich bei Sand- krabben ein Pterygostomialkanal, eine Pterygostomialgrube oder -Falte, Die Augenstiele sind bei den im Sande lebenden Oxystomen kurz, fast — Nr. 97. — - 139 — rudimentär. Nur Matuta^ die herumschwimmt, hat ansehnliche Augen- stiele. Einen Tonapparat fand Hilgendorf an der Innenseite der Scherenfüsse bei beiden Geschlechtern von Matnta. Ausserdem findet Verf. an der Aussenseite des Oberfingers beim Männchen eine Schrillleiste, die an einer Leiste an der Innenseite des Fingers ge- rieben Averden kann. Die zwischen Algen lebenden Tiere sind grün oder braun gefärbt, je nach der Farbe ihrer Algen. C. Zimmer (Breslau). Sars. G. 0., P s t e m b r y o n a 1 d e v e 1 o p m e n t o f AÜianas nitescens Leach. In: Arch. Math. Nat. Vol. 26. No. 10. 1906. S. 1-29. Taf. 1—4. Dieser Alpheide zeigt Larvenformen, die sich in wesentlichen Punkten von den normalen Larvenformen seiner nächsten Verwandten unterscheiden. Das erste Larvenstadium hat 1. und 2. Antennen, die zwar sehr einfach, aber doch schon entwickelter sind als bei den andern Cariden. Es folgen als Extremitäten einfache Mandibeln und erste und zweite Maxillen. Weiterhin sind 4 Paar Extremitäten vorhanden, den ersten 4 Cormopoden, d. h. den 3 Maxiilipoden und dem Scherenfüsse entspre- chend. Sie haben einfach gebaute Endopoditen und wohl entwickelte Exo- poditen, mit denen das Tier herumschwimmt. Die nächsten 3 Extremi- täten sind erst als Höcker angedeutet. Das letzte Cormopodenpaar aber, das bei den Decapoden sonst erst ganz zuletzt sich ausbildet, erscheint hier schon als hoch entwickelte Extremität. Ohne Exopoditen in der normalen Zahl der Glieder, erreicht es halbe Körperlänge. Der Dactylopodit ist lang und stilettförmig. Diese Extremität wird nach vorn unter den Körper geschlagen, getragen. Von Pleopoden ist nichts vorhanden. Der Schwanzfächer zeigt wieder Abweichungen gegenüber den andern Decapoden. Bei diesen ist in den ersten Larvenstadien nur das Telson vorhanden, während hier die Uro- poden, wenn auch noch einfach, entwickelt sind. Ihre Aste fliessen mit dem Stammgliede zusammen. Das erste Larvenstadium hat eine Länge von 1,8 mm. Es wächst heran, indem sich die fehlenden Extremitäten in der gewöhnlichen Weise entwickeln. Der letzte Cormopod behält seine ursprüngliche Ausbildung. Dann entsteht ohne Übergang aus dem letzten Larven- zustand das erste postlarvale Stadium und das Tier erhält dadurch mit einem Schlage einen ganz andern Habitus. Die grossen Augen werden klein, die Exopoditen der Gangfüsse verschwinden bis auf minimale schlauchförmige Reste, der letzte Cormopod erhält seine normale Gestalt. Der Schwanzfächer, bei dem im letzten Larven- — Nr. 97-98. - — 140 - Stadium noch das Telson die Uropoden überragte, zeigt jetzt die definitive Ausbildung. Hand in Hand mit der plötzlichen morpho- logischen Umwandlung geht eine Änderung der Lebensweise : während die Larven pelagisch waren und mit Hilfe der Exopoditen schw'ammen, kriecht das ausgebildete Tier zwischen Algen umher und wenn es einmal im Wasser schwimmt, geschieht diese Bewegung durch Schlagen mit den Pleopoden. C. Zimmer (Breslau). Arachnoidea. 99 Ellingsen, Edv., Report on the Pseudoscorpions of the Guinea Coast (Africa) collected by Leonardo Fea. In: Ann. d. Mus. Civ. d. Genova. S. 3. V. II. 1906. S. 243-265. Taf. IV. Verf. beschreibt folgende Arten : Chelifer sjöstedti Tullgr. cum var. thomensis n. V., Ch. guineensis n. nom. (^ Ch. pallidus Balz.), Ch. feae n. sp., Ch. pusilhts n. sp. , Ch. equestroides n. sp. , Ch. cimicoides Fbr. v. basili'ensis n. v. , Ch. ruhidva n. sp., Ch. smowi Balz., Ch. angulatusn. sp., Ch. garypoides n. sp., Farn. Feaellidae n. fam.. Gen. Fcaella n. g., F. mirahilis n. sp., Olpium arabicum Sim., 0. vermis Sim., O. deserticola Sim. , < 'hthonius simiatns Tullgr. — Die neue Familie wird charak- terisiert durch 10 dorsale und 9 ventrale Abdominaltergiten bezw. -sterniten, Anus an der Ventralseite, an den Seiten des Abdomens, zwischen den Tergiten und Sterniten, 2 Reihen kleiner Plättchen (,,shields"), Serrula des beweglichen Fingers der ganzen Länge nach festgewachsen , Galea vorhanden , Beine bestehend aus Coxa, Trochanter, 2 Femoralgliedern, Tibien und 1 Tarsalglied. E. Strand (Kristiania). 100 Desiuaisons, H., Note sur les Collections d'Araignees et sur un moyen d'y joindre les toiles. In: Bull. Soc. Linneenne du Nord de la France. Nr. 360. 1904. S. 107-110. 1 Taf. Verf. gibt Anweisungen, wie man Spinnen für Schausammlungen präparieren und aufstellen kann; eine natürliche Stellung lässt sich erzielen, wenn man die Spitzen der Extremitäten mittelst Gummi arabicum an Objektträger , bevor das Eintauchen in Alkohol stattfindet, festklebt. Ferner bespricht er das Photogra- phieren des Netzes einer Spinne und gibt im Anschluss dazu eine schöne Tafel von dem Netze einer Aranea diadema L. E. Strand (Stuttgart). 101 Scheffer. Theo. H.. List of Spiders in the Entom ological Collection of the Kansas State University. In: The Kansas Univ. Scient. Bull. Vol. III. Nr. 3. 1905. S. 117-120. 102 — The Cocooning Habits of Spiders. Ebenda. Nr. 2. S. 85-114. Die erste Arbeit enthält ein Verzeichnis von 59 Arten Spinnen, hauptsächlich in Douglas County, Kansas, gesammelt, die sich auf 33 Gattungen und 10 Familien verteilen. Am reichsten vertreten sind die Argiopidae mit 19, dann die Salticidae mit 10, Thomicidae 9 und Lycosidae 8 Arten. Keine n. sp. Die zweite Arbeit enthält Beobachtungen über die Cocons (Eiersäcke) der Spinnen und was damit in Verbindung steht, nach Untersuchungen an nord- amerikanischen Arten. Eine auch nur annähernd erschöpfende Behandlung des Themas beanspruche Verf. nicht zu geben. — Die einleitenden allgemeinen Be- trachtungen enthalten fast nur alte bekannte Tatsachen. Der spezielle Teil gibt zuerst eine allgemeine Übersicht über die Cocon- Gewohnheiten der betreffenden — Nr. 98—102. - — 141 — Familie und beschreibt dann mehr eingehend diejenigen von einer oder mehrera typischen Arten und zwar werden Vertreter folgender Gattungen behandelt: Agelena, Coras, Araneus (3 spp.j, Meta, Thendiosoma , Tetragnalha, Argiope (2 spp.), Cyclosa, Phidippus (2 spp.), Traehelas, Heteropoda , Dirlyna , Drassodes, Lycosa, Pardom, Ero, Pholcns, Dolomedcs, Theridiiim (2 spp.), Philodromus, Xyslirus, Hyptiotes. E. Strand (Stuttgart). 103 Simon, Eugene, Ergebnisse der mit Subvention aus der Erbschaft Treitl unternommenen zoologischen Forschungsreise Dr. F. Werners nach dem ägyptischen Sudan und Nord-Uganda. Ara- neida. In: Sitz.-Ber. d. K. Akad. d. Wiss. Wien, math.-nat. Kl. Bd. CXV. Abt. 1. Juli 1906. S. 1—18. 104 — Etüde sur les araignees de la section des Cribellates. In: Ann. Soc. ent. Belgique. L. 1906. S. 284-308. Die erste Arbeit (108) gibt zuerst ein Verzeichnis der bis zum Anfang dieses Jahres veröffentlichten Arbeiten über die Arachniden Sudans und der benachbarten Regionen und zählt dann 45 Arten auf, unter denen sich folgende Novitäten bezw. Seltenheiten befinden: Argiope trifasciata deserticola n. subsp., Gea nilotiea $ n. sp.,. Larinia chlorcis (And.), L. acuticauda 5 d. sp., L. aibotaeniata 9 D. sp., (Arabien, Tunis), Firmüus wcrneri 9 n. sp., Runcinia depressit 9 D. sp., Selenops iverneri $ n. sp. , Rhitymna werneri 9 d- sp. , Syrisca arabs (9 pull.) n. sp. , Chiracanthium aculealum Sim., Dolomedcs macrops (9 pull.) n. sp., Cyllobelus tristellatus q n. sp., yiithion memorabilis (0. Chr.) (j^, M. semiargenteus Sim. (^, StenaclurUlus werneri 9 cT D. sp., Hyllus plexippoides O n. sp. In der zweiten Arbeit (104) werden beschrieben :6Uloboriden(3 Dinopis 9 nn- spp. aus Brasilien , 1 Dinopis (j^ '^ n. sp. ebenda , 2 Uloborus 9 ^us Indien), 4 Psechriden (1 Psechrns (j' (Indien), 1 Feccnia O n. sp. (Neu-Guinea), 2 The- niocrys n. g. (Natal, Zulu), nebst Bestimraungstabelle iür Psechrus), 8 Zoropsiden (5 Acanihoctenus O nn. spp. aus Brasilien, Bolivia und Venezuela, mit Ergänzung zur Gattungsdiagnose und über früher beschriebene Arten, 3 TJduba 9 von Mada- gaskar), 21 Dictyniden (3 Amaurobius nn. spp. aus Afrika, Australien und Tasmanien, 2 Badumna nn. spp. aus Australien, 2 Aphyctoschaema nn. spp. aus Australien und 3 aus Neu-Caledonien, alles nur 9 9) ^ Auximus aus Equador, darunter 2 auch im cf-Geschlecht, 1 Derxema O n. g. n. sp. (Australien) (Derxemct mit Devada verwandt, aber Augen II procurva, mittleres Augenfeld vorn schmäler als hinten usw.), bDictyna nn. spp. (Indien, Neu-Caledonien, Venezuela), 5 Eresiden {i Stegeodyphus nn. spp. (Afrika), 2 Scothyra ^ im. spp. (Afr.)) und 1 Filistatide (Filistata hasselti n. sp. 9 subad., (,,Malaisia")). E. Strand (Stuttgart). insecta. . 105 Silen, F., Blombi ologiska iakttagelser i södra Finland. In: Medd. af Soc. p. Fauna et Flora fenn. 32. 1905-1906. S. 120—134. Verf. hat in den Jahren 1899 — 1905 blütenbiologische Beobachtungen im südlichen Finnland angestellt, die hier genau verzeichnet sind; keine allgemeine Schlussfolgerungen. Im ganzen werden die Besucher von einigen und fünfzig Pflanzenarten verzeichnet. E. Strand (Kristiania). 106 Klapalek. Fr., Ein Beitrag zur Kenntnis der Neuropteroiden-Fauna von Croatien, Slavonien und der Nachbarländer. In: Bull, intern. Ac. Sc. Boheme. Vol. XL 1906. S. 1-9, mit 6 Abb. i. T. — Nr. 102—106 — — 142 — 107 Klapälek. Fr., Plecopteren und Ephemeriden aus Java, ges. von Prof. K. Kraepelin 1904. In: Mittb. Naturhist. Mus. Hamburg. XXII. 1905. S. 103-107, mit 1 Abb. i. T. 108 — Conspectus Plecopterorum Bohemiae. In: Casopis Ceske Spolecn. Entomol. T. II, 1. 1905. 7 S. 109 — Pfispevek k rodu JRhabdiopteryx Klp. Ibid. 4 S. mit 3 Abb. i. T. 110 — Ephemeridarum species quatuor novae. Ibid. T. If, 3. 1905. 5 S. mit 4 Abb. i. T. 111 — Revision und Synopsisder europäischen Dictyopterygiden. In: Bull, intern. Ac. Sc. Boheme. Vol. XI. 1906. S. 1—30, mit 26 Abb. i. T. 112 — O Zilnatine Kridel u Posvatek (Plecoptera). In: Pfiroda a skola. IV. 6 S. Vor der Besprechung der obenangeführten neuesten Arbeiten Klapäleks möge auch an dieser Stelle dem aufrichtigen Bedauern über das allzu frühzeitige Hinscheiden eines der wenigen andern Kenner der Pseudoneuropteren, Dr. P. Kempny, Ausdruck gegeben werden, dessen vielversprechende Arbeiten in dieser Zeitschrift mehrfach erwähnt wurden. Die erste Arbeit ist u. a. auf dem Material des Nationalen Croatischen Museums in Agram begründet , stellt einen wertvollen Beitrag zur Kenntnis der Neuropteroiden Südost-Europas dar, und bildet eine Ergänzung zu den frühern Arbeiten von Mocsäry und Klapälek. Von besonders bemerkenswerten Arten seien folgende erwähnt. Trichoptera (12 spp.). Die seltene') A^e?(ronia e/a(/(rato Kol., scheint in Süd-Österreich häufiger vorzukommen ; Chaetoj^teryx obseurata McLacb., mit Merkmalen von CA. /wsca; Rhyacophila meyer/ McLach. mit gabeligem r/^ dorsalen Fortsatz. Synagapetus ater n. sp., mit einer kleinen seitlichen Öffnung am VIII. Bauchring des $ , schwarzen , schwach irisierenden Flügeln und ein- fach gebauten 3' Genitalanhängen. Mecoptera. Panorpa pura n. sp. mit fast ungefleckten Flügeln, P. alpina nahestehend. Ephemerida. '^ Leplophkbia suhmarginata St., mit durchscheinend weissen mittlem Bauchsegmenten (n. sp.?); C'locon dipterum L. mit abweichender Nervatur und Färbung, Ehitrogena henschii n. sp., Bh. germanica Eat. mit braun gesäumten Queradern im vordem Flügelteil u. a, m. Neuroptera: Hemerobius striatellus n. sp. mit eigenartig gefärbten Flügeln; Mantispa styriaca Pall. von ab- weichender Färbung. Plecoptera: Arcynopteryx transsylvanica Klp. mit dimorphen (lang- und kurzflügeligen) Weibchen; Dictyogenus ventralis Pict., seit Pictets Zeiten nicht wieder gefunden; Capnia vidua n. sp., von den beiden europäischen Arten durch stärkere Fühler, vorragenden halbkugeligen Supraanallobus usw. ver- schieden, nur 5 9 • Der ^ConspectusPlecopterorumBohemiae" (108) enthält eine Aufzäh- lung der Perliden Böhmens mit kurzen Diagnosen der Gattungen, Familien und Unterordnungen nebst genauen Fundortangaben jedoch ohne Daten. Perla elegan- tnla n. sp. ist ohne Diagnose ! In dem „Beitrag zur Gatt. Rhabdiopteryx Klp." (109) beschreibt der Verf. eine neue Art; Rh. acuminata n. sp. aus Heisinge (Helsingfors?) und gibt eine analytische Tabelle der drei Arten die,9er Gattung. Es folgt eine Neubeschreibung der Taeniopteryx fasciala Burm. (Nordamerika) nach einem im Wiener Hofmuseum 1) Der Verf. hat es leider unterlassen, die sonstige Verbreitung der aufge- zählten Arten wenn auch kurz anzudeuten. — Nr. 107—112. — - 143 — befindlichen, von Pictet gesehenen Exemplar; diese Art gehört nach dem Verf. auch zu der Gattung Rhabdioptenjx. Die „Revision und Synopsis" usw. (111) ist eine Fortsetzung df r frühern Arbeit des Verfs. «Die europäischen Arten der Dictyopterygiden", und enthält synoptische Tabellen sowie genaue Diagnosen der Gattungen, Untergattungen und Arten, Synonymie, Verbreitung, Beschreibung der bereits bekannten und Auf- stellung von 3 neuen Arten. Dictyojitei i/x mortoni n. sp. aus Schottland, Arcynopteryx carpaihica n. sp. (kurz- uud langflügelige q c/ ) aus den Karpathen, Dictyogenus gclidiis n. sp. von Hohen- tauren. Diesen Aufsatz wird jeder über Perliden arbeitende mit Freuden begrüssen. Von den 4 neuen Ephemeridenarten stammt Ephemerella major n. sp. (E. hisfanica Eat. nahestehend) von Stoloc, Ehilrogena brenneriana n. sp. (durch ein sehr kurzes, erstes Tarsalglied ausgezeichnet) vom Brennerpass, Bh. vidpccula n. sp. [Rh. semuolorata nahestehend) aus Lublau und von der Zidan-Brücke, end- lieh Ecdyiirus flavimanus n. sp. von Erdweis bei Gmünd. Die von Kräpelin gesammelten ,Plecopteren und Ephemeriden aus Java" (107) sind in Anbetracht der ungenügenden Beschreibung der wenigen von dieser Insel bekannten Formen, fast sämtliche als neu für die Systematik anzusehen. Plecoptera. Neoperla pilosella n. sp., Nemura sp. V Ephemerida. Caenis nigropunctata n. sp., Pneudoclocon nov. gen. (zwischen Chcon und Baelis, letzterer näherstehend) kraepelini n. sp. (zu dieser Gattung ge- hört wahrscheinlich auch Cloeon dubium Walsh. von Rock Island, C. oldendorfii Weyenb aus Argentinien), Cloeon rirens n. sp., sehr bunte Art, (mit abweichender Nervatur, dürfte nach dem Verf. mit C. bimaridatum Eat. einer besondern Gattung angehören). Die letzte der angeführten Arbeiten betrifft die Nervatur der Perlidenflügel, wobei der Verf. an die bekannte Arbeit von J. H. Comstock und J. G. N e e d h a m ,The wings of insects" anknüpft und nähere Angaben über die Anordnung und den Verlauf der Adern bei einigen Perliden mitteilt. Ein Verständnis der Einzel- heiten ist dem Ref. der Sprache wegen nicht möglich gewesen, doch ist zu hoffen, dass von anderer Seite an dieser Stelle über diese Arbeit berichtet werden wird. N. v. Adelung (St. Petersburg). llo Sili'veiiius, A. J., Über Agrypnetes crassicornis Mc Laclil. In: Meddel. Soc. Fauna et Flora Fennica. H. 31, 1906. S. 111-117 mit Abb. i. T. IH — Beobachtungen über die Ökologie der Trichopteren- puppe. In: Zeitschr. f. wiss. Insektenbiol. Bd. II (XI), 1906. Heft 3/4, S. 88-98. 115 Siltala, A. J. (Silfveuius), Zur Trichopterenfauna des Finni- schen Meerbusens. In ; Acta Soc. Fauna et Flora fennica. Bd. 28. Nr. 6. 1906. 21 S. Es liegen dem Ref. wiederum mehrere Arbeiten des Verfs. vor, welcher in wenigen Jahren unsere Kenntnis von den Lebenserschei- nungen und der Systematik der Trichopteren so sehr gefördert hat. Die Besprechung einiger weiterer Arbeiten über den Laich und die — Nr. 107-115. — — 144 — Metamorphose folgen nach. Zur Vermeidimg von Missverständnissen ^) sei darauf hingewiesen, dass Silfvenius, einer gegenwärtigen nationalen Bewegung folgend, seinen schwedischen Namen in den finnisch klingenden — Siltala — umgewandelt hat, Ägrypnetes crassicornis wurde von Mac Lachlan 1868 nach einem a^ Exemplar aus der Nähe von Helsingfors beschrieben. Seit- dem wurden namentlich in allerneuester Zeit grosse Mengen dieser äusserst selten gehaltenen Art in beiden Geschlechtern erbeutet, undzwar ausser in Finnland auch noch in Estland; nachdem der Verf. schon 1904 eine Beschreibung der Larven, Puppen und Gehäuse dieser nur am Meeresufer lebenden Trichoptere gegeben hat, vervollständigt er nunmehr auch die Beschreibung der Imago. A. crassicornis führt eine verborgene Lebensweise, ruht am Tage auf Stengeln und Felsen; auf- geschreckt, läuft sie sehr rasch auf der Oberfläche des Meeres zu einem anderen Schlupfwinkel. Eiablage unter der Wasseroberfläche an Phragmitesstengeln ; die Weibchen können mit Hilfe ihrer behaarten Mittel- und Hinterschienen schwimmen. Laichmassen 23 — 31 mm lang, 17 — 20 mm breit, kranzförmig. Die Larven überwintern und nähren sich meist von Vegetabilien, womit wohl das abweichende Ver- halten der linken Larvenmandibel zusammenhängt, welche in einer doppelten Spitze endigt. Von Interesse sind die Angaben des Verfs. über die Tricho- pterenfauna des Finnischen Meerbusens, woraus zu ersehen ist, dass infolge Zunahme des Salzgehalts der finnischen Gewässer die Trichopteren alhnählich an das Leben im Meere gewöhnt werden, wobei diejenigen Formen, welche diese Veränderung nicht ertragen können, nach und nach zugrunde gehen. Eine genauere Erforschung der schwedischen und dänischen Ostküsten sowie der südlichen Ufer der Ostsee würde viel zur bessern Erkenntnis dieser Erscheinung beitragen. Der Verf. gibt eine genaue Übersicht über die Verteilung der einzel- nen Arten auf die verschiedenen Küstengebiete, die betrefi'ende Meeres- tiora, Salzgehalt des Wassers u. a. m. Es erweist sich, dass in der kaum salzhaltigen, durch Inseln geschützten Wiborger Bucht 39 Arten leben, von welchen 12 sonst im Finnischen Meerbusen nicht mehr angetroffen werden, mithin von dem zunehmenden Salzgehalt des Wassers ausgemerzt wurden. Im ganzen sind im Finnischen Meerbusen 61 Arten festgestellt worden, von welchen 5 {Phri/ganea varia, Agrypnetes crassicornis, \) Als ein Beispiel hierfür sei auf einen ähnlichen Fall hingewiesen, wobei der bekannte Dermatopteiologe de Bormans seine ersten Arbeiten (allerdings aus anderen Gründen) unter dem Namen Dubrony veröffentlichte. - Nr. 113—115. - - 145 — Limnophilus affinis, Cyrnus ßavidus und Ägraylea multipunctata) speziell für das Meer charakteristisch sind. Am reichsten an Arten ist die Fauna des östlichen Teiles des Meerbusens (geringster Salz- gehalt). Von den einzelnen Familien fehlen die Rhy acophili dae ganz, die Sericostomatidae und Hydroptilidae sind durch je 3, die Phryganeidae durch 8, die Limnophilidae durch 16, die Leptoceridae durch 17, die Hydropsy chidae durch 14 Arten vertreten. Dabei sind die Ufer des Isthmus Karelicus durch das Vorherrschen der Leptoceridae und Hydropsychidae, die übrigen Ufer durch Phryganeidae charakterisiert. 13 Species des Meerbusens werden sonst gewöhnlich in fliessen- den Gewässern angetroffen, darunter Lepidostoma hirtum, Hydro- psyche guttata, Wormaldia subnigra und Polycentropus flavomaculatus in sehr rasch fliessenden Gewässern; L hirtum lebt dabei an der Küste ausschliesslich an offenen, ungeschützten Stellen, ein eigentüm- licher Widerspruch in der Lebensweise dieser Art. Aus der Geologie der Trichopte renpuppe teilt der Verf. Beobachtungen mit, durch welche die kürzlich^) hier besprochene Biologie der Trichopterenpuppe von Thienemann eine schöne Er- gänzung findet. Das Befestigen des Gehäuses bei der Verpuppung sowie das Ver- schliessen desselben durch die Larve und das Abwerfen der Larven- haut wird für Ägraylea multipunctata Curt., Leptocerus aterrimus Steph., Halesus interpunctatiis Zett., Limnophilus griseus L., L. flavi- cornis Fabr., Stenophylax stellatus, Halesus interpunctatus u. a. m. beschrieben, wobei sehr merkwürdige Abnormitäten bei diesen Lebens- erscheinungen geschildert werden. Nach dem Verlassen des Gehäuses schwimmt die Puppe meist auf dem Bauche [Hol ocentr opus bisweilen, Silo pallipes stets auf dem Rücken), wobei die Puppenhaut gewöhnlich sofort abgeworfen wird; ist dies nicht der Fall, so sterben die Puppen, ohne sich in eine Imago zu verwandeln. Das Abwerfen erfolgt meist am Abend oder in der Nacht, und zwar auf zweierlei Weise: langsam, an einem Gegenstand über dem Wasserspiegel (Limnophilidae, Phry- ganeidae part., Rhyacophilidae), oder plötzlich, direkt an der Wasseroberfläche (Sericostomatidae, Leptoceridae, Hydro- psychidae, Hydroptilidae); der Verf. gibt fremde und eigene diesbezügliche Beobachtungen, wobei der ganze Prozess für ver- schiedene Arten eingehend geschildert wird. Das namentlich vom ^) Zool. Centr.-Bl. 13. Bd. 1906, Nr. 316. Zoolog. Zentralbl. 11. Band. Jijj.^ Jjg Jjg 12 — 146 — Verf. häufig beobachtete vertikale Aufheben der Flügel über dem Rücken nach dem Abwerfen der Haut dürfte (mit Mac Lachlan) den Zutritt der Luft zu den Tracheen erleichtern; diese sonst ganz anormale Stellung der Flügel wird nur noch bei dem Abtöten mit Äther und Benzin beobachtet, wo die Ursache die gleiche sein dünte. Was die bereits von Lucas, Genthe und Thienemann beobachteten Mandibeln bei den Lnagines von Trichopteren betrifft, so beschreibt Silfvenius dieselben auch hei Ägri/pnetes C7'assicornis, einigen Limnophiliden (wenig deutlich), Leptoceriden (stärker entwickelt), allen Hydropsychiden, vielen Rhyacophiliden und Hydroptiliden. Auch an altern Imagines sind die Mandibeln häufig zu unterscheiden (gegen Thienemann), so bei Phryganea striata, Agraylea multi- pundata^ Hydroptüa piitchricornis und Oxyethira sagittifera. Mandibeln sind demnach bei Imagines von Trichopteren allgemein vorhanden (mit Thienemann) und nicht auf eine kleine altertüm- liche Gruppe beschränkt (gegen Genthe). N. V. Adelung (St. Petersburg). 116 Forsius, Runar, Om PhyUoecus ehumeus Andre. In: Medd. af Soc. p. Fauna et Flora fenn. 32. 1905-0. S. 137— 13S. Verf. weist nach, dass die als ^PhyUoecus ebumeus Andre" lieschriebene jArt" weiter nichts ist als Emphyhi/i perla Klug 9 > ^^^ Abdomen des Typenexem- plares war aus irjiend einer Ursache zusammengedrückt worden und sah daher bei oberflächlicher Betrachtung „neu" aus. E. Strand (Kristiania). 117 Lundström , Carl, Om Desmometo/ia - art er nas snyl tgästni ng hos spindlar ock rofinsekter. In: Medd. af Soc. p. Fauna et Flora fenn. 32, 1905-6. S. 100-104. Verf. fjibt Mitteilungen über das Schmarotzen der Desmometopa- Arten bei Spinnen und Raubinsecten; seine Beobachtungen stimmen im allgemeinen mit den frühern von Birö und Mik überein. Er beobachtete einen Schwärm von etwa 20—40 Individuen von Dexm. M-nigrutn und D. M-atrum, welche um eine soeben getötete und gleichzeitig von der Spmne Misumena vaüa ausgezogene Biene herum- flogen. Verf. ist der Ansicht, dass die betreff'enden Fliegenarten gleich nach dem Entschlüpfen eine Spinne oder ein Raubinsect aufsuchen, um sich dann stets in der Nähe der betrefi"enden Tiere aufzuhalten und sich ausschliesslich von den Resten deren Beute zu ernähren. E. Strand (Kristiania). 118 Sundvik, E. E., Jakttagelser i afseende ä VohiceUa pelhicida. In: Medd, af Soc. p. Fauna et Flora fenn. 32, 1905-6. S. 115—120. Im Ge^iensatz zu Fahre ist Verf. der Ansicht, dass die in Hymenopteren- nestern lebenden Volucella-harven an den Larven der Wirtstiere parasitieren; nach Beobachtungen an etwa 70 Huramelnestern sind die Fo/wcf/Za - Larven die direkte Ursache zum Aussterben der ganzen Hummelkolonie. Nach der Grös-